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Führer durch die altehrwürdige Klosterkirche und das frühere Koster in Oliva ›
(1816-1902).
Führer durch die altehrwürdige Klosterkirche und das frühere Koster in Oliva.
Danzig. Oko³o 1889 roku.
Przekaza³a Gra¿yna Niemyjska
Inhaltsverzeichniss.
| Seite |
| I. Der Karlsberg in Oliva. | |
| II. Geschichte des Cistercienser-Klosters in Oliva. | |
| 1. Gründung des Klosters. | |
| 2. Die ersten Cistercienser-Mönche und ihr Abt. | |
| 3. Die Pommerellischen Herzöge in Gdanezk. | |
| 4. Der hervorragendste Herzog von Pommerellen in Gdanczk. | |
| 5. Das Kloster Oliva während der Herrschaft des Dent- schen Ritterordens. Von 1309-1466. | |
| 6. Schicksale des Klosters Oliva während der Polenherr- schaft. Von 1466-1772. | |
| 7. Der Friede im Kloster Oliva 1660. | |
| 8. Das Kloster Oliva und die Russisch-sächsische Belagerung Danzigs 1734. | |
| 9. Aufhebung des Klosters Oliva. | |
| 10. Das Kloster Oliva unter Preussischer Herrschaft. Von 1772 bis jetzt. | |
| 11. Gänzliche Aufhebung des Klosters Oliva 1831. | |
| III. Beschreibung der Cistercienser-Klosterkirche und des alten Klosters sowie der Sehenswürdigkeiten derselben. | |
| A. Die Cistercienser-Klosterkirche und ihre Sehenswürdigkeiten. a. Bau der Kirche. | |
| 1. Das Aeussere der Kirche. | |
| 2. Das schöne Haupt-Portal der Kirche b. Besichtigung der Kirche. | |
| 3. Das Innere der Kirche. | |
| 4. Der Hochaltar im Presbyterium. | |
| 5. Die alten Chorstühle der Mönche und Laienbrüder. | |
| 6. Die Portraits der Stifter und Wohlthäter der Kirche und des Klosters. | |
| 7. Die Kanzel. | |
| 8. Die grosse Orgel. | |
| 9. Die 22 Seitenaltäre der Kirche. | |
| 10. Die Grabdenkmäler und Grabsteine in der Kirche. | |
| 11. Die alten Beichtstühle. | |
| 12. Der grosse Baldachin. | |
| 13. Das in einen Stein verwandelte Brod. | |
| 14. Die Sakristei. | |
| B. Das alte Cistercienser Kloster und seine Sehenswürdigkeiten. | |
| 1. Die Kreuzgänge. | |
| 2. Der Kapitel-Saal. | |
| 3. Das grosse Sommer-Refectorium. | |
| 4. Die Portraits der 53 Aebte des Klosters. | |
| 5. Der Friedens-Saal. | |
| IV. Die Cistercienser-Abtei in Oliva. | |
| 1. Das jetzige Königliche Schloss in Oliva. | |
| 2. Die alte Abtei. | |
| 3. Der Königliche Garten in Oliva. | |





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I. Der Karlsberg in Oliva.
Zu den schönsten, sehenswürdigsten und historisch merkwürdigsten Orten der Umgegend Danzigs gehört namentlich der Marktflecken Oliva mit dem berühmten alten Cistercienser- Kloster und der prächtigen Klosterkirche. Von den Danzigern wird dieser Ort daher mit Recht sehr oft und gern besucht, den Fremden kann der Besuch der am Fusse bewaldeter Höhen in einer von der Natur höchst begünstigten Gegend gelegenen alten Cistercienser-Abtei und Kirche sowie das Ersteigen des reich bewaldeten nahen Karlsberges mit herrlicher Fernsicht nicht genug empfohlen werden.
Schon die Wanderung oder die Fahrt von Danzig durch das Olivaer Thor nach dem 1 Meile entfernten schönen Flecken Oliva bietet rechts und links viele landschaftlich reizende Punkte, welche die Aufmerksamkeit besonders der Fremden in hohem Grade in Anspruch nehmen. Nach kurzer Zeit sehen wir schon in der Ferne an den bewaldeten Ausläufen des Pommerellischen Höhenzuges mit malerischen Landschaften das Ziel unserer Wanderung oder Fahrt, den Karlsberg mit dem Belvedere, Aussichtsturm, sowie die zwei zierlichen Thurmspitzen und das lange schwarze Dach der altehrwürdigen Abtei-Kirche in Oliva. Hier angelangt besteigen wir zunächst den Karlsberg.
Der reich mit Kiefern bewaldete und durch viele Anlagen und Spaziergänge mit überraschenden Aussichten verschönte Karlsberg, die grösste Zierde Olivas, ist 340 Fuss hoch über dem Meeresspiegel. Die Luisenhöhe, mit einem 1882 neu erbauten besteigbaren Aussichtsthurme auf diesem Berge, führt den Namen von der Königin Luise, welche diese Anhöhe im Jahre 1798 bei dem Besuche Danzigs mit Wohlgefallen bestieg. Eine Gedenktafel, kürzlich auf Veranlassung des Olivaer-Zoppoter Kriegervereins durch einen Gedenkstein würdig erneuert, trägt Göthe's Worte: Die Stelle, die ein edler Mensch betrat, ist eingeweiht, nach hundert Jahren klingt sein Wort und seine That den Enkeln wieder." Der Berg trägt seinen Namen von dem Fürstbischof von Ermland und Abt von Oliva Johann Karl von Hohenzollern-Hechingen, der ihn im Jahre 1794 durch Anlagen verschönern liess. Sein Neffe und Amtsnachfolger, Fürst Joseph von Hohenzollern, der letzte Abt von Oliva, kaufte vom damaligen Freistaat Danzig diesen Berg als sein Eigenthum. Er behielt bis zu seinem Tode (1836) die Residenz in Oliva, und auch er that für die Verschönerung des Karlsberges sehr viel. Nach dem Tode des letzten Abtes kam der Berg sowie das Fürstbischöfliche Schloss durch Kauf von den Erben an den Staat.
Vom Karlsberge aus geniesst man eine unbeschreiblich schöne Fernsicht nach der Ostsee, nach der Provinzial-Hauptstadt Danzig und Umgegend. Hier geben wir uns dem überwältigenden Eindrucke hin, den das Meer mit seinem heiligen Rauschen der Wogen, einem ewigen gewaltigen Orgeltone im Tempel der Natur gleich, auf jedes Menschenherz ausüben muss. Die stets bewegte See mit ihren Wogen, ein Sinnbild des ewigen Ringens und Strebens, Entstehens und Verschwindens, Kommens und Gehens, bietet ein nie ermüdendes Schauspiel. Anders erscheint sie in der Morgen- und Abendbeleuchtung, anders im hellen Sonnenschein oder von darüber hinschwebenden Schatten der Wolken verdunkelt, anders bei ruhigem oder unruhigem Wasserspiegel. Wie klein und winzig erscheinen hier die auf dem Meere dahinfahrenden riesigen Dampfer, welche theils dem heimatlichen sichern Hafen zueilen, theils dem Glücke in der Ferne auf dem unsichern Ocean nachjagen und zusteuern. Wer könnte gefühllos bleiben beim Beobachten der heranrauschenden, einander drängenden und jagenden Wogen, wenn sie, am Strande sich brechend, in einen weissen schäumenden Gischt hoch aufspringen, als freuten sie sich, nach langem Streben und Ringen endlich den festen Boden erreicht zu haben, dann aber, sich auflösend, als Atome des unübersehbaren Oceans wieder verschwinden. Südlich sehen wir in der Ferne die alte Seeund Handelsstadt Danzig mit ihren zahlreichen hohen und malerischen Kirchthürmen, die Vorstadt Neufahrwasser mit ihren riesigen Moolen und beiden Leuchtthürmen, den hohen Thurm der Festung Weichselmünde, vor uns am Fusse des Karlsberges den ausgebreiteten, wie in einem grossen Parke liegenden Marktflecken Oliva mit der landschaftlich schönen Umgegend. Auch das verstockteste Herz muss hier auf diesem Berge beim Anschauen dieses unvergleichlich schönen Rundgemäldes, überwältigt von dem Eindrucke der Natur, ausrufen: 0 Gott, wie gross bist Du!"
Nachdem auch wir uns im Tempel der Natur diesem Eindrucke in stiller Bewunderung und Erhebung hingegeben, lassen wir, an einem romantischen Plätzchen weilend, die historische Vergangenheit Oliva's und des Cistercienser-Klosters an unserm geistigen Auge vorübergehen, um dann die höchst sehenswerthe alte Klosterkirche in Augenschein zu nehmen und uns der segensreichen Wirksamkeit der Klostermönche von 1178 bis 1831 zu erinnern. Es empfiehlt sich, zur Erinnerung an diesen Besuch, vorliegenden gedruckten „Führer zum bessern Verständniss vor oder auch nach dem Besuche der Kirche und des Klosters durchzulesen.
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II. Geschichte des Cistercienser- Klosters in Oliva.
1. Gründung des Klosters.
Um das Jahr 1100 wurde Ostpommern oder Pommerellen, d. i. Kleinpommern, von Fürsten regiert, welche sich „Herzöge von Pommern in Gdanczk" nannten und in Gidanie", Gidanic", Gdanczk", d. i. Danzig, residirten. Das Gebiet dieser Herzöge war uncultivirt, und die Bewohner mussten ihre Bedürfnisse grösstentheils den Gewässern abzugewinnen suchen. Der Segen an Fischen aber war gross, und ganze Ortschaften waren nur von Fischern bewohnt. Auch „Gdanczk" wird als ein von Fischern bewohnter Flecken bezeichnet. Unermesslich gross waren die Wälder in Pommerellen. Es wird berichtet, dass die Herzöge des Landes auf ihren Jagdfahrten in denselben oft verschwanden und man sie suchen musste, aber zuweilen nicht finden konnte. In den Waldungen war viel Wild. Die Fürsten zeichneten sich in der Kleidung durch Pelzröcke aus, die von dem erlegten Wilde gefertigt waren. An den Flüssen und in den Wäldern fanden sich zerstreute einzelne Wohnstellen, Pustkowa. Auf ähnlichen Wohnstellen wohnten auch die grösseren Grundherren es gab Herren und Hörige, Freie und Unfreie. Die Herren hielten viele Viehheerden. Die Höfe der Herren und die Hütten der Hörigen hatten viele Aehnlichkeit mit einander und waren kunstvoll von Schilf, Rohr und Strauchwerk gebaut. So weit der Anbau ging, war das Land in kleinere Ortschaften vertheilt, welche in den Urkunden Villa genannt werden.
Als erster Fürst und Ahnherr des Pommerellischen Fürstenhauses wird um 1100 Swantobor zu Gdanezk angegeben, dem sein Sohn Swantopolk I. (1109-48) und nach ihm Subislav I. (1148-78) folgte. Urkundlich jedoch wird zuerst Sambor I. (1178-1207) genannt. Unter den in „Gdanczk" residirenden Herzögen Gebert Subislav I., dem ersten christlichen Herzoge von Pommerellen, und seinem Sohne und Nachfolger Sambor I. das Hauptverdienst der weitern Ausbreitung des vom h. Adalbert, dem „Apostel der Preussen (997) begründeten Christenthums in Danzig und Umgegend. Obgleich sich das Christenthum von Danzig aus über einzelne Gebiete Pommerellens verbreitet hatte, befanden sich die Bewohner in diesem Zeitraum im grossen Ganzen doch noch in einem zwischen Christenthum und Heidenthum schwankenden Zustande.
Von Subislav I. erzählt die Sage unter Anderm auch Folgendes: Der Vater und Vorgänger des Pommerellischen Herzogs Sambor I., Subislav I., jagte einst in den ausgebreiteten Waldungen in der Nähe des jetzigen Oliva. Da stürzte plötzlich ein mächtiger Eber auf den Herzog Subislav, der mit seinem muthigen Rosse von seinen Begleitern weit abgekommen war. Vergebens bemühte sich Subislav, das unerwartete wüthende Thier mit dem Jagdspiesse zu erlegen. Dabei strauchelte sein Pferd, er selbst stürzte zur Erde, sein eigener Spiess zersplitterte und fuhr ihm zum Unglücke in die Lende. Sein Hilferuf mittels seines Hüfthorns wurde von Niemandem gehört. Da stand plötzlich ein alter Klausner vor ihm, der den Verwundeten aufrichtete und zu seiner im Dickicht versteckt gelegenen Klause führte. Hier zog er ihm die Splitter aus der Wunde und verband diese, nachdem er sie mit linderndem Balsam beträufelt hatte. Darauf fiel der ermattete und verwundete Subislav in einen tiefen Schlaf. Ihm träumte, er befände sich in einem himmlischen Garten mit Rosen und Lilien; ein Engel in einem himmlischen Gewande und Lichtglanze, eine Lilienkrone auf dem Haupte und einen Oelzweig in der Hand, stände vor ihm und ermahnte ihn, von seinem wilden Treiben abzulassen, das Heidenthum abzulegen und das Christenthum anzunehmen, wenn er und seine Familie die ewige Seligkeit erlangen wolle. Gerade er, der Herzog Subislav und seine Familie seien von Gott dazu ausersehen, in diesem Lande als die ersten Bekenner Christi auch das im blinden Heidenthume schmachtende Volk zu bekehren. Subislav erwachte, statt des Engels stand der Klausner mit dem Crucifix in der Hand vor ihm. Auch dieser ermahnte ihn zur Bekehrung, und Subislav liess sich fortan taufen. Er gelobte auch, auf dieser Stelle ein Kloster zur Ausbreitung des Christenthums in seinem Lande zu gründen und bereitete die Gründung eines solchen an dieser Stelle auch vor (1170), um dem Christenthume in seinem Lande dadurch einen festen Stützpunkt zu geben.
Sambor I., sein Sohn und Nachfolger, führte im Jahre 1178 den Wunsch seines Vaters aus und gründete das Kloster Oliva. Nach einigen Chronisten soll Subislav das Kloster 1170 gestiftet haben und 8 Jahre daran gebaut worden sein. Nicht weit vom Gestade der See, am Fusse waldbekränzter Höhen, entstand das erste und bedeutendste Kloster, Oliva, in Pommerellen, welches einem fruchttragenden Oelbaume oliva fructifera gleichen sollte, daher der Name. Die Stiftungsurkunde, datirt vom 18. März 1178, von Sambor I. auf seiner Burg zu Gdanezk ausgefertigt, ist das älteste schriftliche Document Westpreussens und die erste Urkunde überhaupt, welche über das Fürstenhaus in Pommerellen sichere Nachricht giebt; sie wird im Archiv zu Königsberg aufbewahrt. Unter Anderm sagt Sambor I. in dieser Urkunde: „Ich habe auf meinem eigenen Besitzthum, das mir von der väterlichen Erbschaft zufiel, den geistlichen Männern des Cistercienser-Ordens sieben Dörfer mit allem Zubehör gegeben, zum Heile meiner Seele und derjenigen meiner Gattin und meiner Kinder, sowie meiner Vorfahren."
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2. Die ersten Cistercienser-Mönche und ihr Abt.
Oliva hiess auch das Kloster ad montem olivarum, d. h. Oelberg, kurz Olivie oder auch Kloster beatae Mariae virginis de Oliva, weil Maria als Schutzpatronin des Klosters verehrt wurde. Die ersten Mönche dieses Klosters mit dem ersten Abt Dithard kamen aus dem deutschen Cistercienser-Kloster Kolbatz bei Stargard in Pommern. Bei den Cisterciensern, welche die Liebe Gottes hier angesiedelt hatte." war es Sitte, nach der Zahl der Apostel und Jesu Christi, welchen Letztern der Abt vorstellte, stets 13 Mönche zur Gründung eines nenen Klosters abzusenden. Ihre Ordensregeln hatten das „Bete und arbeite” - ora et labora - zur Grundlage. Der Cistercienser-Orden, 1098 zu Cisterz oder Citeaux (von den vielen dort befindlichen Cisternen so genannt), nicht weit von Dijon, gestiftet, war ein Zweig des Benedictiner-Ordens (515 vom h. Benedict gestiftet). Diese Mönche in Oliva ergänzten sich grösstentheils aus Deutschland und nahmen lange Zeit nach ihrer Stiftung nur geborene Deutsche auf. Das Kloster war nicht nur die erste Pflanzstätte des Christenthums, sondern auch des Deutschthums, der deutschen Cultur, der deutschen Sitte und Sprache für die zum Theil noch heidnischen Bewohner Pommerellens. Die Cistercienser-Mönche in Oliva zeichneten sich bald nicht nur als eifrige Geistliche in der Seelsorge und Förderer der Künste, namentlich der Malerei und Musik, sondern auch als tüchtige Ackerbauer durch rationelle landwirthschaftliche Bestrebungen sehr vortheilhaft aus. Sie zogen ihre deutschen Landsleute aus Pommern als Colonisten nach Pommerellen, und diese siedelten sich nun auf den dem Kloster reichlich geschenkten Dörfern an. Es gehörte zu den gewöhnlichen Vorrechten, die den Cisterciensern von den Fürsten ertheilt wurden, auf ihrem Grunde und Boden Dörfer nach deutschem Rechte anlegen und besetzen zu dürfen. Auch mehrere Stahlhämmer wurden bei Oliva angelegt.
Seit der Völkerwanderung bewohnten, nach Abzug der Germanen, Wenden" das Land westwärts der Weichsel. Bekanntlich führt der König von Preussen auch den Titel „der Kassuben und Wenden Herzog." Die waffenlose friedliche Eroberung Pommerellens für deutsche Cultur, Sprache und Gesittung ging von dem Kloster in Oliva und den später gegründeten Klöstern überhaupt aus. Erst mit der Ankunft der Cistercienser-Mönche in Oliva wurde der Same der Ausbreitung der deutschen Sprache zunächst in Pommerellen, dann aber auch im Culmerlande ausgestreut. Die Klänge des alten Wendischen Idioms vernehmen wir noch heute, wenn auch nur in einem Zweige des alten Wendestammes, in dem sogenannten Kassubischen Dialect in einem kleinen Bezirke Pommerellens, der Kassubei. Die Pommerellischen Fürsten begünstigten das Deutschthum, weil sie dessen höhere Cultur erkannten. Nah und fern wurden von den Mönchen und ihren deutschen Colonisten die grossen Waldungen zum grössten Theile gelichtet, welche damals von Oliva und dem jetzigen Badeorte Zoppot aus auch die jetzt kahlen Flächen des Striesser Feldes und das Land bis zur Saspe bedeckten. Die Klostergüter dienten den Landwirthen rings umber in ganz Pommerellen als Musterwirthschaften. Die Verdienste der Cistercienser-Mönche um die Bildung des Volkes in jeder Hinsicht haben allgemeine Anerkennung gefunden.
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3. Die Pommerellischen Herzöge in Gdanczk.
Jeder der Pommerellischen Herzöge suchte das Kloster Oliva zu begünstigen, weil sie durch Bereicherung desselben zugleich ihr Seelenheil zu finden hofften. Das grosse Interesse Subislavs I. für das Kloster Oliva soll ihn sogar zum Theil auch veranlasst haben, den alten Flecken Danzig abzubrechen und zu verlegen. Die Chronik sagt darüber: „Nochmals, wie er bemerket, dass der Flecken Danzig dem Kloster Oliva wohl gelegen wäre, auch sonsten wegen Fischereien und allerhand Zufuhr ihm bequem zu sein dünkte, hat er aus demselben Flecken, welcher damals unordentlich angeleget und hin und her unter den Bergen zerstreuet, auch durch der Dänen Streifung merklich verwüstet war, eine Stadt zu bauen und dieselbe zu mehrerer Sicherheit der Einwohner und auch des Klosters Oliva zu befestigen bei sich beschlossen ete." Der alte Flecken Danzig, welchen Herzog Subislav I., der Sage nach, abgebrochen und nach der jetzigen Altstadt verlegt haben soll, stand auf dem Platze in der Nähe der Weichsel bis zur Legan, auf welchen später die 1454 abgebrochene Jungstadt" sich befand. Von den Nachfolgern Sambors I., († 1207), der das Cistercienser-Kloster in Oliva herstellen liess, nämlich von Mestwin I.), seinem Bruder, der von Oliva aus das Prämonstratenseroder Norbertiner-Nonnen-Kloster) Zuckau gründete (1208), und Swantopolk II., wurde das Kloster Oliva mit vielen Gütern reichlich bedacht.
Während die Pommerellischen Herzöge auf ihrer Burg in Danzig das Wohl ihres Landes wahrnahmen, entfalteten die Mönche im stillen Kloster Oliva ihre Thätigkeit besonders auf dem christlichen Gebiete. Sie sendeten Missionen aus in das jenseit der Weichsel gelegene heidnische Preussen. Durch seinen Eifer für die Verbreitung des Evangeliums in Pommerellen und in den Pommerellen zunächst liegenden Gauen im heidnisehen Preussen hat sich der Mönch Christian, erster Bischof von Preussen, einen besondern Namen gemacht. Er begab sich zum Herzog Conrad von Masovien, um mit seiner Unterstützung einen Versuch zur Bekehrung zunächst des Culmerlandes Zu unternehmen. Christian gelang es (1214), zwei vornehme preussische Häuptlinge von dem Gebiete Lansanien (Lenzen bei Elbing) in Pomesanien und von dem Gebiete Löbau im Culmerlande für das Evangelium zu gewinnen. Auf Christians Veranlassung wurde ein Kreuzzug unternommen, um die Grenzen des christlichen Gebietes gegen die Preussen, welche die Gebiete ihrer abtrünnigen Häuptlinge aus Rache verheerten, zu sichern. Dieser Kreuzzug, der erste, welcher Preussens Boden betrat, bestand aus Deutschen, Pommern und Polen. Und auch Mestwin's I. ältere Söhne Swantopolk (II.) und Sambor (II.) führten diesem Kreuzzuge ein pommersches Hilfsheer zu (1219). Christian wurde (1215) zum ersten Bischofe von Preussen ernannt und richtete die Burg Culm zu seinem Bischofssitz ein. So entstand 1222-1223 das Bisthum Culm. Nachdem das erwähnte Kreuzheer jedoch wieder abgezogen war, verwüsteten die Preussen das Culmerland, Masovien und auch Pommerellen (1224), letzteres aus Rache gegen den Herzog Swantopolk II., weil er 1219 den Kreuzzug mitgemacht und die pommerschen Hilfsschaaren über die Weichsel geführt hatte. Sie überfielen auch das Kloster Oliva und verbrannten es. Bei dieser Zerstörung des Klosters wurde der ganze Convent der Mönche mit dem Abte Ethler von den Preussen gefangen fortgeführt (27. Septbr. 1224) und am Hagelsberge vor Danzig grausam getötet, welches die Bewohner der Stadt zusehen mussten, ohne siê retten zu können. 1236 kamen die Heiden im Winter aus Ermland über das Eis, zerstörten das kaum wieder aufgebaute Kloster von Neuem und tödteten 6 Mönche und 24 Kriegsleute, die zu ihrem Schutze von Swantopolk im Kloster bestellt waren. Da rief endlich 1226 Herzog Conrad von Masovien auf Christians Rath den Deutschen Ritterorden zur Hilfe.
Diese Marienritter, die „Brüder des deutschen Hauses unserer lieben Frauen zu Jerusalem", von einem Hause, welches nach der Sage der h. Anna vormals gehörte, worin die Jungfrau Maria geboren war, Jesus das letzte Osterlamm gegessen, das h. Abendmahl eingesetzt und viele der wichtigsten von den Evangelisten erzählten Begebenheiten sich zugetragen hatten, erhielten im Jahre 1230 den Auftrag, getrost und unverzagt in das Land zu ziehen, welches der Herr ihr Gott ihnen verheissen habe". Die Grundsteine des Hochmeister-Schlosses in Marienburg, dem Wunder der Christenheit", sollen von diesem Hause aus Jerusalem herrühren, in welchem ,,onse live heer Jesus Christus opten wytten donredach syn aventmal ende syn panschlam (Pascha-Lamm) myt synen jongheren (Jüngern) eten det. Als onse live heere tho hemel ghevaren was, soe bleven die moder Gods Maria, die apostolen, die vrouwen ende die ander heymeliken discipulen in dyt heilige huys in bedynge, tot pynsteren vold daen was, ende onse live vrouwe bleff in dat heilige huys wonen tot dat see starff, ende hoir heilige lichnam wert ut desen huyse ghedragen in dat dal vom Josaphat." 1283 hatten die „Kreuzträger" - cruciferi „mit dem Kreuz für den Glauben und mit dem Schwert zur Eroberung nach 53 Jahren die 11 Gaue des alten Preussens erobert und auch auf dem westlichen Weichselufer in Pommerellen festen Fuss gefasst.
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4. Der hervorragendste Herzog von Pommerellen in Gdanczk.
Herzog Swantopolk II. (1220-66) von Pommerellen in Gdanczk, der älteste der vier Söhne Mestwins, hat sich in der Geschichte unserer Provinz und des Klosters Oliva einen besonders hervorragenden Namen gemacht. Er vertrieb die Dänen, welche damals die Stadt Danzig in ihre Gewalt gebracht hatten, schenkte 1227 eine vor der Stadt gelegene Kapelle und deren Umgebung, welche dem Schutzpatron der Fischer und Schiffer, dem h. Nicolaus geweiht war, dem Dominikaner-Orden. Die Mönche dieses Ordens erweiterten die St. Nikolaus-Kapelle später zur grossen Dominikaner- oder Schwarzmönchen-Kirche mit einem Kloster. Im Jahre 1260 führte Swantopolk den Dominiksmarkt ein, welcher damals neben der ausserhalb der Altstadt auf freiem Felde stehenden Dominikaner- Kirche abgehalten wurde. In einer Urkunde von 1235 bestätigte er dem Kloster Oliva alle Güter, die es von seinen Vorfahren geschenkt erhalten hatte, von Neuem. Dem Kloster Oliva war, ausser anderen Gerechtigkeiten, die dasselbe von den Herzögen zu Gdanczk erhalten, namentlich auch die Bernsteingerechtigkeit zugesichert. Während später in Folge der Säcularisation auch die Bernsteinnutzung der Klöster Oliva und Zarnowitz auf den Staat überging, und das Recht der Zueignung des Seebernsteins durch Fischen im Meere und Lesen oder Aufsuchen am Strande in Westpreussen nach wie vor ein Regal blieb, hat nur die Stadt Danzig sich bis auf unsere Zeit im Besitze dieses Rechtes am Ostseestrande von Weichselmünde bis Polsk zu erhalten gewusst. Herzog Swantopolk fügte sich dem Gebote der Kirche und erklärte wiederholt in einem Schreiben aus Danzig (1248): "An seiner Küste sollte fortan den Schiffbrüchigen weder durch ihn noch durch seine Unterthanen etwas zu Leide geschehen, vielmehr dürften sie sich seines Mitleides und seiner Hilfe versichert halten." Im Jahre 1263 fügt er hinzu:,,da der Apostel Paulus im Schiffbruch selbst bei Barbaren und Ungläubigen Freundlichkeit und Hilfe erfahren habe." Zur Zeit der Pommerellischen Herzöge hatte sich nämlich auch in Pommerellen sowie in vielen Europäischen Ländern das barbarische Strandrecht als Ueberbleibsel heidnischer Gesinnung erhalten.
Swantopolk hielt es anfangs mit dem Deutschen Ritterorden und hatte mit ihm vereint die heidnischen Preussen bekämpft, denn sie waren ja auch seine Feinde. Aus Besorgniss für sein eigenes Land reizte Swantopolk schliesslich selbst die besiegten Preussen zum Aufstande gegen die Kreuzritter und stellte sich sogar selbst an ihre Spitze und suchte von seinen Burgen Schwetz und Sarnowitz aus die Ritter zu vertreiben. Da traten die Polen und selbst Swantopolks Brüder auf die Seite der Ritter, drangen in Pommerellen ein und bezeichneten ihre Spur durch Mord und Brand. Oliva, das, durch die Preussen zerstört, wieder aufgebaut worden war, wurde in den Jahren 1243, 47 und 52 wiederholt geplündert und niedergebrannt, und zwar nicht von den Heiden, sondern von den Ordensrittern und Polen. Swantopolk wurde genöthigt, um Frieden zu bitten, musste aber, mit der Hand ein Evangelienbuch berührend, feierlich schwören, nie wieder den Prenssen gegen den Orden beizustehen.
Herzog Swantopolk starb 1266 in hohem Alter und stand bei seinem Volke in hohen Ehren. Von den dankbaren Cistercienser-Mönchen wurde sein Rock und Waffenschmuck im Kloster Oliva als ein Heiligthum aufbewahrt. Die Hochmeister-Chronik sagt: Seinen Rock und sein Krieges-Zeug haben die Mönche in der Olive, wer denselben, meinen sie, siehet, erlanget grosse Gnade bei der Jungfrauen Maria."
Nach Swantopolks Tode theilten sich seine zwei Söhne, Mestwin II. und Wratislaw, die Herrschaft des Landes. Mestwin II. erhielt das Gebiet Danzig und nach dem plötzlichen Tode Wratislaws wurde er Herr des ganzen Landes. Der alte Freund des Ritterordens, Sambor II., Mestwins Oheim, schenkte 1276 demselben aus Dankbarkeit für erwiesene Dienste das Gebiet Gymev (Mewe), früher dem Kloster Oliva gehörig, mit 14 Dörfern. Dies war der erste wichtige Schritt, welchen die deutschen Ritter auf Pommerellen thaten. Für die Abtretung der Ansprüche des Klosters Oliva erhielt dieses 15 Dörfer in seiner Nähe, darunter auch das Dorf Zoppot (Czoppot) d. i. unter dem Berge liegend". Die hier wohnenden Fischer hatten die Verpflichtung, den Mönchen in Oliva Seefische zu liefern.
Im Jahre 1295 starb Mestwin II. und mit ihm erlosch Swantopolks Geschlecht, und die ganze Dynastie der Pommerellischen Herzöge. In der Klosterkirche zu Oliva unter dem neben der Kanzel befindlichen Sarkophage von schwarzem Marmor, (der sich seit 1889 im Rundgange um das Presbyterium befindet) ruhen die Herzöge von Pommerellen in Gdanczk, und ihre Bilder befinden sich an den Wänden in der Nähe desselben zu beiden Seiten des Hochaltars. Die Gebeine der Herzöge wurden erst nach dem Jahre 1577 gesammelt und dort, wo sie jetzt liegen, in einem gemeinschaftlichen Grabe begraben, auch die Gedächtnisstafeln in der Kirche hergestellt. Früher ruhten sie nicht in der Kirche, sondern in den Kreuzgängen. Als das Kloster 1577 bei der Belagerung Danzigs durch Stephan Bathory von den Danzigern ganz zerstört worden war, wurden die Gebeine bei der Wieder- herstellung des Klosters an dieser Stelle begraben. Lauter als Worte es vermögen, predigen diese Bilder als stumme Zeugen einer wechselvollen Vergangenheit die Geschichte vergangener Jahrhunderte nicht nur des Klosters Oliva, sondern auch der Provinz Westpreussen.
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5. Das Kloster Oliva während der Herrschaft des Deutschen Ritterordens.
Von 1309-1466.
Den deutschen Ordensrittern, godesriddern" - Gottesrittern gelang es im Jahre 1308, die Polen, welche nach dem Tode Mestwins II. das Schloss der Pommerellischen Herzöge in Danzig, sowie die Stadt selbst besetzt hielten, zunächst aus dem Schlosse zu verdrängen, weil Wladislaw Lokietek, d. h. Ellenkönig (er war sehr klein), den Rittern die vertragsmässig zugesicherte Entschädigungssumme für geleistete Hilfe gegen den Markgrafen Waldemar von Brandenburg nicht zahlen konnte. Um die polnische Besatzung auch aus der Stadt selbst zu vertreiben, bedienten sich die Ritter einer Kriegslist. Während des Dominiksmarktes 1308 schlichen sich nämlich die Lanzenknechte der Ritter, als fremde Kaufleute verkleidet, massenhaft in die Stadt, vereinigten sich mit den deutschen Bewohnern, überfielen die polnischen Truppen und nahmen die Stadt nach einem blutigen Gefechte in den Strassen ein, wobei 10000 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Bei diesem Strassenkampfe in der Stadt zeichnete sich der Abt des Klosters Oliva, Rüdiger, dadurch ans, dass er mitten im Gefechte unerschrocken den Verwundeten und Sterbenden, unter welchen sich auch eine Schaar pommerellischer Ritter befand, mit geistlichem Trost beistand, sie mit den Sterbesacramenten versah und die Leichen der gefallenen pommerellischen Ritter schnell nach Oliva schaffen liess, um sie auf dem dortigen Kirchhofe begraben zu lassen.
Der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen achtete den Vertrag, welchen Mestwin II. seiner Zeit mit dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg geschlossen hatte, und einigte sich mit diesem. Waldemar trat im Jahre 1309 für eine Summe von 10 000 Mark Silber (520 000 Mark) das Herzogthum Pommerellen und die Gebiete von Danzig, Dirschau und Schwetz dem Orden ab. Die von den Pommerellischen Herzögen dem Kloster Oliva bewilligten Rechte und Besitzungen wurden von der Ordensherrschaft bestätigt. Alle Hochmeister schenkten dem Kloster Oliva ein besonderes Wohlwollen. Sie waren uns allezeit wohlwollende und gütige Herren! Um das Jahr 1380 hatte das Kloster sieben Verwaltungsbezirke oder Curien. Zu diesem ausgedehnten Gebiete gehörten unter anderen auf der Danziger Höhe die Besitzungen von Langenau, Rosenberg, Schönwarling bis Kohling, eine Zeit lang auch das Dorf Praust, im Danziger Werder die Curie Mönchen-Grebin", welches seit dem Jahre 1317 aus einem Sumpf entstanden war. „Mönchen-Grebin" gehörte den Mönchen" in Oliva „Herren-Grebin" den ,,deutschen Herren Ordensrittern in Danzig". Die vielen ausgedehnten Besitzungen wurden von den klösterlichen Curien aus von den Mönchen und Laienbrüdern theils selbst bewirthschaftet, theils verpachtet. In Danzig hatten die Mönche auf dem Holzmarkt ein eigenes Absteigequartier, „die Olivaer Herberge", "Hotel d'Oliva". Das Absteigequartier des Abtes lag neben diesem. Ausser diesem besassen sie in der Stadt 10 andere Häuser und einen Getreidespeicher. Die östliche Grenze der Besitzungen des Klosters gingen bis an die See, an die Weichselmündung und das städtische Gebiet. Der Danziger Rath pachtete um 1647 einen Theil dieses Weichselufers (Ballastkrug) im jetzigen Neufahrwasser für die Zeit von 93 Jahren Und verlängerte dann die Pacht, um Zolldefraudationen an dieser Stelle am Orte vorzubeugen. 1739 wurde durch einen Vergleich entschieden, dass das Neue Fahrwasser die Grenze zwischen dem Kloster und der Stadt bilden solle. Einen Begriff von den umfassenden Klostergebäuden selbst erhalten wir, wenn wir nur die eine historische Notiz lesen, dass schon im Jahre 1350 bei einem durch die Unvorsichtigkeit eines Küchenjungen entstandenen Brande ausser dem Glockenthurme und den Glocken die Bäckerei, die Mühle, das Brauhaus, die Schusterwerkstatt, die Fabrik und Pforte* in Flammen aufgingen, von dem Speise- und Schlafsaale und von der Kirche nur die Wände übrig blieben. 1350 auf den stillen freytagk brante das closter Oliva gantz und gar aus, das nicht mee steende bleb dann alleyne dy kloster mawren." Die Mönche sassen gerade im Refectorium, Speisesaal, und assen an diesem Stillfreitage nur Wasser und Brod. Die Köche wollten die Schornsteine der Convents-Küche vom Russ reinigen und zündeten zu diesem Zwecke viel Stroh auf dem Herde an. Daraus entstand ein Brand. Das Feuer verbreitete sich sehr schnell über alle Gebäude des Klosters und über die Kirche. Auf Veranlassung des Ritterordens wurde das Kloster durch Beiträge der Bischöfe wieder schöner hergestellt. Ausser dem Abte verwalteten der Prior, die Senioren oder Ältesten mit mehreren Mönchen als Beamte bis zum Pater Sakristan alle Angelegenheiten des Klosters. Das Siegel des Abts zeigte das Familien-Wappen mit einem Kardinalshut darüber und der Unterschrift seines Namens. Das Siegel des Convents enthielt Mariä mit dem Jesuskinde und einen Lilienstengel in der Hand; das kleinere Siegel einen Olivenbaum, beide mit der Unterschrift: Sigillum conventus ordinis Cistert. in Oliva.
Im Laufe der Zeit wurde das Klostergebäude in Oliva in verschiedenen Kriegen mehrere Male durch Flammen zerstört. Der Polenkönig Jagello hatte versucht, Pommerellen dem Orden abzunehmen. Da es ihm trotz der für die Ordensritter unglück. lichen Schlacht bei Tannenberg (1410) nicht gelungen war, so wollte er Pommerellen wenigstens verwüsten. Auf Jagellos, des Königs von Polen Veranlassung überschwemmten die Hussiten ganz Geschichte des Cistercienser-Klosters in Oliva.
Pommerellen. Von Konitz zogen sie, durch eine Anzahl Polen verstärkt, nach Pelplin (Popelin), verbrannten das dortige Kloster, mordeten in Dirschau an 10 000 Menschen, welche, dort Schutz suchend, vor ihnen geflohen waren, und zündeten die Stadt an. Von Dirschau stürmten sie nach Danzig, unterwegs weit und breit Alles verheerend, lagerten sich (September 1433) auf dem Bischofs- und Hagelsberge vor Danzig und bedroheten die Stadt. Sie führten 35 Büchsen mit, aus welchen sie Steine schleuderten wie Häupter so gross". Ir hilden zo vil of dem hoen berge, daz sy irscheinen alzo ein wolke, und besogen do dy mechtige stad gar wol. Aber Danzigs Bürger zwangen die Raubhorde zum Abzuge. Darauf wanderten die Hussiten nach Oliva, welches sie schon vorher heimgesucht hatten, verbrannten schonungslos voll Erbitterung das Kloster und die Kirche, so dass nur ein Schutthaufen davon übrig war. Beim Anblicke des unübersehbaren Meeres, von dem sie bis dahin keinen Begriff hatten, jauchzten sie laut auf. Ihr Anführer führte sie in feierlichem Zuge an das Gestade der See, welche sie für das Ende der Erde hielten, wo sie ihre Feldflaschen mit Seewasser flüllten, um ihren Landsleuten in der Heimath zu zeigen, dass nur die Fluthen des weiten Meeres im Stande gewesen wären, ihren Siegen ein Ziel zu setzen und sie zum Rückzuge zu veranlassen."
1454 kündigte der „Preussische Städtebund", angeregt durch die Eidechsengesellschaft", in einem brieff der ufsagung der holdigung, an Sente Dorotheen tage spete und uff die collacie dem hern Homeister durch eynen stadtknecht von Thorun" überbracht, dem Hochmeister Treue und Gehorsam auf. Gleichzeitig bot dieser Bund dem Könige von Polen, Casimir IV., das Land als Geschenk an.
Im darauf folgenden 13 jährigen Kriege (1454-66) des Preussischen Städtebundes gegen den Ritterorden, Krieg der Kinder gegen ihren eigenen Vater", der die Losreissung Pommerellens vom Ordensstaate bezweckte*), wurde das Kloster Oliva on den Polen und auch von den fremden Ordenssöldnern abwechselnd beraubt und verbrannt. Die Polen lagerten in dem Kloster, umgaben es mit Gräben und Verschanzungen und unternahmen von hier aus ihre Raubzüge. Grausig lauten die Beschreibungen dieses Bürgerkrieges, durch den ganz Pommerellen nach allen Richtungen hin zu wiederholten Malen durch Raub und Mord verheert wurde. Der Ritterorden erlag schliesslich der Uebermacht. Er musste 1466 zu Thorn einen Frieden unterzeichnen, der Pommerellen als Polnisch-Preussen" oder „,König- liches Preussen" unter polnische Herrschaft brachte. Danzig wurde ein kleiner Freistaat unter polnischem Schutze. Ostpreussen wurde als Ordenstaat ein Lehen von Polen.
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6. Schicksale des Klosters Oliva während der Polenherrschaft.
Von 1466-1772.
Bekanntlich hatten die Klöster das Recht, jedem Verbrecher, der in ihren Klostermauern Schutz suchte, ein sicheres Asyl zu gewähren, er durfte dort nicht angegriffen werden. Die weltliche Obrigkeit selbst durfte nicht einmal die Klostermauern betreten, wenn die Klostergeistlichkeit es nicht erlaubte. Auch der berüchtigte Gregor Matern, der in Danzig den Schiffer Harder (1495), seinen Feind, auf dem Langenmarkt anfiel, um ihn meuchlings zu tödten, flüchtete nach der That nach dem Kloster Oliva, um dort Schutz zu suchen,,,er wiche aus der stadt in die Olivae in das geleite, aber das geleite wart ime versaget und gewegert." Aber weil Materns That von den Mönchen für einen Mord erklärt wurde, da er einen unbewaffneten Menschen meuchlings, ,,verkegelt, vermummt, heimlich bei Abendzeit und in gewöhnlicher Friedensstrasse angefallen hatte, wurde ihm das Asyl im Kloster verweigert. Matern schrieb daher von Oliva aus an den Rath um sicheres Geleite zur Rückkehr, um seine Sache vor Gericht führen zu können. Dies wurde jedoch abgeschlagen. Da schwur Matern der Stadt Rache, so furchtbar wollte er sich rächen, dass noch die Nachwelt seinen Namen mit Schauder nennen sollte. Im Verein mit seinem Bruder Simon versammelte er bald eine Schaar wohlberittener Männer und trieb mit dieser Wegelagerung gegen die Danziger.
Im sogenannten „Kleinen Kriege (1520) versuchte der letzte Hochmeister des Deutschen Ritterordens, Albrecht von Brandenburg, das abgetretene Polnisch-Preussen" wieder zu gewinnen und sein Land vom Polenkönig Sigismund I. unabhängig zu machen. Er fiel mit deutschen Hilfstruppen in Pommerellen ein, drang bis in das Danziger Gebiet vor und bedrohte Danzig. Nach einer tapfern Vertheidigung Danzigs gegen die Kanonade vom Bischofsberge musste der Feind abziehen. Er nahm seinen Weg nach Oliva. Von den Danzigern verfolgt, warfen sich die deutschen Söldnerschaaren in die Klostergebäude, deren Mauern sie zur Aufstellung ihrer Geschütze durchbrachen, bis sie nach fünf Tagen zum Abzuge nach Putzig etc. gezwungen waren. Entlich, als sie vermerkten, das sie der Stadt nicht angewinnen kündten, brachen sie auff mit jrem lager, vnd verbrandten das lager vnd ruckten dis ins Kloster Olina. Da sie nun etliche tage im Kloster Oliua gelegen, vnd die mauren des Klosters durchhacket, schisslöcher gemacht, vnd ihre büchsen dreingeleget hatten: kamen die Pautziker zu den Hauptleuten in die Oliua, vnd beleiteten sie gen Pautzik, vbergaben ihnen Stadt und Schlos gutwillig." Hochmeister Albrecht von Brandenburg erlag. Da reifte in ihm der Entschluss, sein Ordenskleid abzulegen und Preussen (Ostpreussen) als ein weltliches, erbliches Herzogthum von Polen als Lehen zu nehmen.
1561 suchte Herzog Erich von Braunschweig, ein Schwager des Herzogs Albrecht von Preussen, mit 14 000 Mann die Umgegend von Danzig heim. Er kam unter dem Vorwande, dem Polenkönige gegen Russland beizustehen. Bei Oliva hatte er sein Lager aufgeschlagen und plünderte die ganze Umgegend. Endlich wurde ihm die Summe von 12 000 Thalern ausgezahlt, um ihn zum Abzuge zu veranlassen. Dieser Krieg wurde der „Nusskrieg" genannt, nicht weil er dem Kloster schwere und harte Nüsse zu knacken gab, sondern weil Erichs Kriegsknechte sich aus langer Weile an den reifen Nüssen ergötzten.
Dem neuen Polenkönige Stephan Bathory verweigerte die Stadt Danzig den Huldigungseid. Deshalb erfolgte 1577 die Belagerung Danzigs. Bei Beginn dieses Krieges zogen die Danziger Soldaten einer von Neustadt auf Danzig marschierenden polnischen Heeresabtheilung entgegen. Auf diesem Zuge steckten die Danziger das Kloster in Brand, theils damit die Polen keinen Aufenthalt in demselben hätten, theils aber auch aus Erbitterung gegen den Abt Jeschke, welcher dem Könige Bathory und den Polen überhaupt freundlich gesinnt zu sein schien. Die Danziger hatten auch die Klöster in der Stadt in Verdacht, dass sie es mit den Polen hielten. Sie rotteten sich daher zusammen und stürmten und plünderten das Dominikaner-, Karmeliter- und Brigittinen-Kloster in der Stadt. Vor den Augen des Königs verbrannten sie die Güter des Bischofs von Cujavien Alt-Schottland, Stolzenberg und Bischofsberg. Aus Rache gegen den Abt Jeschke in Oliva wurde wiederholt eine Abtheilung Reiter und Fussvolk von Danzig nach Oliva abgeschickt. Am 15. Februar 1577 wurden das Kloster und die Kirche ihrer Kostbarkeiten beraubt und ganz ausgeplündert und darauf angezündet, zwei Mönche dabei erschossen und zwei andere gefangen abgeführt. Der Abt Jeschke rettete sich auf einem Fischerkahne. Zuerst wurden die Altäre und ihre Reliquien, die alten Chorstühle der Mönche und die beiden Orgeln zerstört. Darauf wurde die Bibliothek zerrissen" und verwüstet; vier grosse Kandelaber und ein Lesepult von Bronce und viele, schön geschnitzte Kunstarbeiten, alle Niederländische Kunstwerke" aus der Kirche und des ,,Abtes Stube.",,Das ganze Kloster wurde in Brand gesteckt, die Kirche, das Dormitorium, das Refectorium, der Kreuzgang, das Brauhaus, die Bäckerei, die Mühle und alle anderen Klosterwohnungen, die Fabriken, die Wohnung des Abtes, kurz alle Gebäude, welche innerhalb und ausserhalb des Klosters waren. Die Gewölbe im Kreuzgange, Kapitel-Saale und in der Sakristei waren unverletzt." Am 18. und 21. wurden wieder Soldaten und Bürger nach Oliva geschickt, um mit Spaten und Hacken, sogar mit einigen Fässern Pulver, selbst die Umfassungsmauern des Klosters, der Kirche und Kreuzgänge ganz niederzureissen. Schon hatten sie zur Vernichtung derselben viele Löcher eingebohrt, als sie von den königlichen Truppen daran verhindert wurden. Auch die reichen Waldungen des Klosters wurden verwüstet und zum Theil ganz zerstört. Am Sasper-See fand unter anderm ein Kampf statt, bei welchem die Polen 500 Mann und 13 Kanonen verloren. Der König Bathory beschoss die Stadt Danzig darauf vom Stolzenberge und Bischofsberge aus mit,,Feuerkugeln" und ,,Steinen von 70 bis sogar 150 Pfund." ,,Danzüg ist düe principalstatt im landt zu Preussen, haben denn könig us Polen zum schutzherrn, . . . . . 2 hohe berg naheet darfor nicht eines büchseschus weytt, würt der eine Hagelsberg, der ander Büschofsberg genannt, uf wölchem könig Stephan in Pole mütt seinem krüegsvolkh gelegen, als er düe statt Danzüg belägerte; kondte doch mitt schiessen ihnen am wehnigsten keinen abbruch thuen, dann düe kugeln eintwöders iber düe statt oder aber in düe wähl güengen, das ich wol melden mag, an keinen ort derogleichen wähl (Wälle) gesehen habe, von höhe, gröse und dickhe gleich die berg." Stephan Bathory musste endlich die Belagerung Danzigs aufgeben und Frieden schliessen. Er bestätigte die Rechte der Stadt, und diese leistete darauf den Huldigungseid. Danzig musste das Kloster und die Kirche in Oliva wieder aufbauen lassen und zu diesem Zwecke die Summe von 20 000 Thalern zahlen, wozu noch andere Beiträge und Geschenke kamen. Die Mönche arbeiteten mit Lust und Liebe an dem Wiederaufbau ihres Klosters und der Kirche fleissig mit, so dass sie 1582 vorläufig fertig waren, und zwar so, wie sie zum Theil noch jetzt vorhanden sind.
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7. Der Friede im Kloster Oliva. 1660.
In den Schwedisch-polnischen Kriegen (1599-1660) war Oliva und die ganze Umgegend einer beständigen Verheerung und Beraubung ausgesetzt. Besonders hausten die Schweden im Kloster und in der Kirche zu Oliva. Nach Stephan Bathorys Tode war Sigismund III. Wasa, Sohn des Königs Johann von Schweden, König von Polen geworden. Dieser landete 1587 vor Danzig, beschwur in der Kirche zu Oliva die Wahlcapitulation und nahm dann in Danzig die Huldigung an. Als aber Gustav Adolp König von Schweden geworden war, machte Sigismund III. von Polen seine Ansprüche auf den schwedischen Thron geltend. Darüber kam es zum ersten Schwedisch-polnischen Kriege (1623). Gustav Adolph erschien (1626) auf der Rhede bei Zoppot mit einer bedeutenden Flotte. König Sigismund III. weilte in Danzig. Von der Rhede aus suchte das schwedische Schiffsvolk die ganze Umgegend von Oliva, Pelonke etc. und dann das Kloster selbst wiederholt heim. Die Schweden zertörten die Orgel und viele Kunstwerke der Kirche. Sämmtliche Glocken und sieben der kostbarsten Altäre wurden eingepackt und nach Schweden geschickt (1626). Bei dieser Gelegenheit mussten sieben Mönche aus dem Kloster Oliva den Schweden als Gefangene folgen, die übrigen, welche vertrieben und zerstreut worden waren, wagten es erst nach zwei Jahren, wieder ins Kloster zurück zu gehen. Bei einem Seegefechte (1627) auf der Rhede wurden zwei schwedische Schiffe von neun polnischen besiegt, wobei der schwedische Admiral Stjernfkjold sich mit seinem Admiralschiffe in die Luft sprengte. Ein altes grosses Gemälde vom Jahre 1650 auf dem Rathhause in Danzig bringt die Seeschlacht zur Anschauung. Der Ruf:,,Bet't Kinder, der Schwed' kommt!" der noch lange nach dem Kriege in Oliva wie in der ganzen Provinz gehört wurde, ist ein Beleg für die Furcht vor den Grausamkeiten der schwedischen Soldaten. Viele politische Zeitgedichte gaben der Stimmung, welche über Gustav Adolph und seine Schweden unter den Zeitgenossen überhaupt herrschte, getreuen Ausdrnek. Von den ,,Danziger Gustav- Adolphsliedern seien nur erwähnt: Gespräche, Frage vnd Andtwort zwischen einem Schweden vndt einem Danczker", der Werderischen Bawren Klage Gesänglein", der Werderischen Pawren Vater vnser vom Gustauy" u. a.
Nach dem Tode Gustav Adolphs auf dem Schlachtfelde bei Lützen (1632) wurde seine sechsjährige Tochter Christine Königin. Diese fühlte sich jedoch später veranlasst, die Krone niederzulegen und sie ihrem Vetter Carl Gustav zu übergeben. Bekanntlich trat sie nach ihrer Thronentsagung zur katholischen Religion über und hielt sich in Rom auf. Dieser Uebertritt machte um so grösseres Aufsehen, als ihr Vater für die Ausbreitung der lutherischen Confession in den 30 jährigen Krieg gezogen war. Der damalige König von Polen, Johann Casimir, machte jetzt gegen Carl Gustav Polens Ansprüche auf den schwedischen Thron von Neuem geltend, und dadurch wurde der zweite Schwedisch-polnische Krieg veranlasst. Die Schweden hatten 1656 ganz Polnisch-Preussen bis auf Danzig besetzt. Sie rückten auf Danzig zu, plünderten und verbrannten namentlich Praust, mordeten in St. Albrecht einen Priester und bedrohten jetzt die Stadt selbst. Auf der Rhede bei Zoppot erschien eine schwedische Flotte von 36 Segeln. Bei Oliva landeten die Schweden. Hier stand auch der schwedische General Steenbock mit seinem Heere, er bemächtigte sich des Klosters und brandschatzte Oliva und die ganze Umgegend. Das Kloster war durch hohe Mauern und angelegte Schanzen zur Vertheidigung eingerichtet. Die Danziger aber überrumpelten die Schweden zur Nachtzeit, hieben sie theils nieder, theils machten sie dieselben zu Gefangenen und eroberten nicht nur das Kloster zurück, sondern nahmen bei einem kühnen Angriff der schwedischen Flotte den berühmten schwedischen General-Feldmarschall Grafen Königsmark selbst gefangen und brachten ihn nach Weichselmünde. Von Carl Gustav selbst wurde dieser zweite Schwedisch-polnische Krieg der „Butterkrieg" genannt, wegen der vielen schönen Butter, welche die schwedischen Soldaten im Dunziger Werder zu plündern Gelegenheit hatten. Als König Johann Casimir Danzig besuchte, gab er der Stadt das Zeugniss: ,,dass in dieser einzigen Stadt das ganze polnische Reich wider die Gewalt und Tyranney eines furchtbaren Feindes sei erhalten worden."
Carl Gustav starb plötzlich (12. Febr. 1660). Den Schweden war es daher angenehm, als der grosse Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg zwischen Polen und Schweden den Frieden vermittelte, der endlich zu Oliva zu Stande kam und dem furchtbaren 60 jährigen Schwedisch-polnischen Erbfolgekriege ein Ende machte. Der schwedische Reiter, welcher die Urkunde von dem Tode des Königs Carl Gustav den zur Unterhandlung in Oliva versammelten Gesandten überbrachte, wurde von allen als Friedensengel begrüsst. König Johann Casimir kam mit seiner Gemahlin, Ludovica Maria von Gonzaga, nach Danzig und hielt im Herrenhause zu Karlikau während der Friedensunterhandlungen in Oliva seinen. Hof. Karlikau war die frühere Sommerresidenz des Bischofs von Cujavien und gehörte zum Gebiete dieses Bischofs, der auf dem Bischofsberge bei Danzig ein bischöfliches Schloss hatte und dessen Gebiete überhaupt sich bis Danzig erstreckten. Damals reichte das Gestade der See bis nahe an Karlikau. Die polnischen Gesandten wohnten während der Verhandlungen in Hochstriess, die Brandenburgischen in Pelonken, durch die schönen Höfe der Danziger Patricier beliebt, der französische Gesandte in der alten Abtei in Oliva, die österreichischen Gesandten blieben in Danzig, die schwedischen in dem jetzt abgebrochenen Prioratsgebäude. In diesem ewigen Frieden zu Oliva, den 3. Mai 1660, in welchem Polen seine Ansprüche auf den Thron Schwedens und Schweden seine Eroberungen in Polnisch-Preussen aufgab, wurde auch auf Grund des Vertrages zu Wehlau der Kurfürst von Brandenburg als unabhängiger Herzog von Ostpreussen feierlich anerkannt. Unter Anderm wurde in diesem Frieden versprochen, dass die preussischen Städte bei allen ihren Rechten und Freiheiten in geistlichen wie in weltlichen Sachen und in freier Ausübung der Religion geschützt werden sollten. Unter den Abgeordneten Polens, Schwedens, Brandenburgs und Frankreichs war auch der Syndikus von Danzig zugegen. Nach Beseitigung aller wesentlichen Streitpunkte begab sich vom Refectorium aus der Abt, gefolgt von allen Gesandten, der Wachtmannschaft, Mönche und Klosterbeamte in langem Zuge in der Nacht vom 2. zum 3. Mai gerade um Mitternacht in die dortige altehrwürdige, festlich erleuchtete Klosterkirche, wo durch ein feierliches Te Deum, welches der Abt Kensowski anstimmte, bei vollständiger Musikbegleitung durch die Klostergeistlichen unter feierlichem Glockengeläute und Abfeuern der Kanonen des Klosters der Friedensschluss gefeiert wurde. Während dessen verkündete ein Trompeter, von Oliva nach Danzig geschickt, auch hier in der Stadt dem Polenkönige und den Bürgern das frohe Ereigniss. Das feierliche Glockengeläute der Kirchen verkündete auch hier in früher Stunde die freudige Kunde. Der 3. Mai war für Danzigs Bewohner ein Tag des Jubels. Dem allgemeinen Gottesdienste in der St. Marien-Pfarrkirche wohnte auch der König Johann Casimir und seine Gemahlin Ludovica bei. Neun Jahre später legte König Johann Casimir (1669) seine Krone nieder und trat in den geistlichen Stand zurücker war früher Cardinal gewesen und starb in Frankreich als Abt von St. Germain.
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8. Das Kloster Oliva und die Russisch-sächsische Belagerung Danzigs. 1734.
1696, zur Zeit des Königs Ludwigs XIV., landete der französische Prinz Conti mit sechs französischen Fregatten auf der Rhede vor Danzig. Seine Truppen bemächtigten sich Olivas. Conti war von einem Theile der polnischen Reichstände, der Kurfürst August von Sachsen von einem andern Theile derselben zum Könige von Polen gewählt worden. Bald erschien eine Truppe polnischer und sächsischer Reiter in Oliva, tödtete viele Franzosen und nahm die übrigen gefangen. Prinz Conti entkam kaum selbst mit seinen Fregatten.
Im Jahre 1709 und 10 herrschte in Polnisch-Preussen eine furchtbare Pest. Oliva war jedoch davon befreit. Deshalb tagte im Jahre 1710 der preussische Landtag in Oliva, später in Alt-Schottland. Dieser Landtag verursachte dem Kloster ebenfalls bedeutende Kosten.
Während der Russisch-sächsischen Belagerung Danzigs 1734 wurde das Kloster Oliva ebenfalls schwer geprüft. Der von den Polen gewählte neue König Stanislaus Leszczinski wurde vom Sohne des verstorbenen Königs August II., († 1733) August III., im Bunde mit Russland vertrieben. Leszczinski, begleitet von dem Primas des Reichs Potocki, Erzbischof von Gnesen, und mehreren polnischen Magnaten, suchte und fand Schutz in Danzig. Die Russen unter dem General Lascy und später unter dem Oberkommando des Feldmarschalls Grafen v. Münnich näherten sich dem Danziger Gebiet. Danzig verweigerte die Auslieferung Leszczinskis und die Anerkennung August III. Es erfolgte deshalb die Belagerung der Stadt. Die Polen hatten Oliva und die Umgegend besetzt. König August III. hielt sich in Oliva auf. Bei einem stürmischen Angriff Danzigs durch die Russen vom Hagelsberge aus, fanden Tausende von Russen ihren Tod und auf dem noch jetzt das Russische Grab genannten Felde ihr Grab. Um die Stadt durch das anhaltende Bombardement nicht in einen Schutthaufen verwandeln zu lassen, verliess der König Stanislaus heimlich Danzig; er fuhr als ärmlicher Bauer verkleidet auf einem Fischerkahn durch das überschwemmte Werder und entkam. Danzig ergab sich jetzt und erkannte August III. als König an, zahlte eine Million Thaler als Busse für den Widerstand an Russland und bedeutende Kriegskosten an Polen. König August III. in Oliva lehnte jede Einladung Danzigs, in die Stadt zu kommen und dort zn wohnen, ungnädig ab. Die Deputirten der Stadt mussten daher in Oliva Abbitte leisten.
Im 7jährigen Kriege streiften die preussischen Truppen auch in Oliva und der Umgegend umher, so dass sich Danzig genöthigt sah, Vertheidigungsanstalten zu treffen. Auf Wunsch der Kaiserin Elisabeth von Russland sollte Danzig zu seiner eigenen Sicherheit eine russische Besatzung in seine Festungswerke aufnehmen. Die Stadt weigerte sich. Darauf drangen die Russen bis in das Danziger Gebiet und dicht an die Mauern der Stadt. Die Russen, grösstentheils Kosaken und Kalmücken, betrachteten das Land als eine eroberte Provinz und behandelten die Bewohner mit Grausamkeit.
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9. Aufhebung des Klosters Oliva.
Da rückten für Polen verhängnissvolle Zeiten heran. Polen wurde zerstückelt und getheilt. Bei der ersten Theilung Polens (1772) erhielt König Friedrich II. das im Jahre 1466 vom Deutschen Ordensstaate losgerissene „Polnisch-Preussen” sowie die Bisthümer Ermland und Culm und nannte es „Westpreussen”. Danzig blieb jedoch noch ein Freistaat unter polnischem Schutze, während die nächste Umgegend der Stadt wie Langefuhr, Holm, Neufahrwasser etc. preussisch geworden war. In Langefuhr war ein preussisches Zollamt und ein Schlagbaum. Jeder Fussgänger, jeder Wagen wurde vor dem Accisegebäude angehalten und strenge untersucht, ob sie etwas Accisepflichtiges bei sich führten. Die Gärten der Danziger in Langefuhr, Striess, Pelonken und Oliva standen verödet da, weil ihre Eigenthümer sich diesen lästigen Untersuchungen nicht aussetzen wollten. Die Gebiete des Bischofs von Cujavien in Polnisch-Preussen, zu welchen auch die nächste Umgegend von Danzig, St. Albrecht, Alt-Schottland, Stolzenberg damals ein kleines Städtchen Bischofsberg, Schidlitz, gehörte, nahm der König in Besitz. Alle übrigen geistlichen Besitzungen in Pommerellen wie Oliva, Quadendorf, Mönchengrebin und Gemlitz bekam er ebenfalls und nahm durch die Kabinets- Ordre vom 1. November 1772 allen geistlichen Stiftungen die Verwaltung und Benutzung ihrer Güter. Für die eingezogenen Besitzungen der Klöster und geistlichen Corporationen wurde 50 Procent des veranschlagten Ertrages als Competenz aus der Staatskasse gewährt. Am 27. September 1772 fand im Convents- Remter im Schlosse zu Marienburg die Huldigung der Westpreussischen Stände statt. Persönlich hatten sich zu derselben einzufinden alle Bischöfe, Aebte, Prälaten, Woywoden, Starosten, Kämmerer und Landrichter, die übrigen Stände waren durch Vertreter repräsentirt.
In der zweiten Theilung Polens 1793 wurde auch Danzig preussisch. Die preussischen Truppen versammelten sich in Oliva, St. Albrecht, Quadendorf und rückten bis an die äussersten Thore der Stadt. Nach dem am Gründonnerstage den 28. März erfolgten Einzuge der Truppen in die Aussenwerke und darauf am 14. April mit klingendem Spiel in die Stadt selbst, leistete Danzig am 7. Mai dem neuen Herrscher Friedrich Wilhelm II. feierlich die Huldigung und hörte auf, ein besonderer Freistaat wie zur Polenzeit zu sein.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts zählte das Kloster Oliva nur noch 48 Mönche, während am Anfange des 17. Jahrhunderts 72 Patres in demselben ihre Klosterzellen hatten. Die Mönche, schon zur Zeit der Pommerellischen Herzöge die ersten deutschen Pioniere der deutschen Sprache und des Deutschthums in Pommerellen überhaupt, scheinen auch während der Polenzeit (1466-1772) ihrer deutschen Nationalität getreu geblieben zu sein. Der Hauptbeweis für die ausschliesslich oder doch grösstentheils deutsche Nationalität der Aebte sowohl wie der Patres bis in die Polenzeit hinein liegt in dem Beschluss des General-Capitels der Cistercienser im Jahre 1487, der 1488 noch einmal bestätigt wurde. Damals wurde nämlich zu Citeaux beschlossen, dass Oliva und Pelplin, die ja 1466 auch unter polnische Herrschaft gekommen waren, wegen der grossen örtlichen Entfernung und wegen der Verschiedenheit in Sprache und Sitte zwischen den Polen und den Unsrigen nicht die Oberaufsicht und der Visitation der polnischen Klöster, sondern dem Commissare der norddeutschen Klöster unterworfen sein sollten." Erst 1580 wurden Oliva und Pelplin mit den polnischen Klöstern vereinigt. Aber auch nach dieser Zeit waren die Patres der Mehrzahl nach noch Deutsche, wie aus den Namen und dem Heimathsorte derselben zu ersehen ist.
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10. Das Kloster Oliva unter Preussischer Herrschaft.
Unter der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm II. (1786-97) und in den ersten Jahren der Herrschaft des Königs Eriedrich Wilhelm III. (1797-1840) erfreute sich Danzig und die Umgegend der Stadt einer glücklichen Ruhe. Danzig und Oliva hatten das Glück, sich des Besuchs des neuen Königs und seiner Gemahlin, der unvergesslichen Königin Luise, zu erfreuen. Auf dem Karlsberge bei Oliva ist eine Gedenktafel und ein Gedenkstein im Luisenhain zur Erinnerung an diesen hohen Besuch des Karlsberges angebracht. Danzig bot Alles auf, um dem Königspaare seine Verehrung und Liebe zu beweisen. Da brachen die traurigen Jahre 1806 und 1807 und mit ihnen die unglücklichsten aller Kriege über Preussen herein. Bald rückten die Franzosen auch bis rings um Danzig vor und besetzten die Strecke bis Oliva und Umgegend. Beim Näherrücken der Franzosen wurde unter Anderm auch ein grosser Theil der Allee vor dem Olivaer Thore niedergehauen. Die Franzosen hatten die Mönche aus dem Kloster Oliva vertrieben und alle Räume, selbst die Kreuzgänge, zu einem Lazareth eingerichtet. Es erfolgte die Französische Belagerung Danzigs. Danzig wurde zwar unter dem Feldmarschall Kalkreuth sehr tapfer vertheidigt, musste jedoch nach einer fast dreimonatlichen Belagerung (Februar bis Mai) am 24. Mai capituliren, weil Pulvervorrath und Lebensmittel gänzlich fehlten. Im Frieden zu Tilsit, den 9. Juli 1807, wurde Danzig für einen Freistaat unter französischem Schutze erklärt, und zwar mit einem Gebiete von zwei deutschen Meilen im Umfange. Der französische General Rapp wurde zum Gouverneur von Danzig ernannt.
Nach dem Strafgerichte in Russland retirirten die auf der Flucht begriffenen Ueberreste des französischen Kaiserheeres nach Danzig. Die Russen, besonders Kosaken, verfolgten sie. Unter dem General Löwis und später auch unter dem Herzog Alexander von Württemberg, dem sich noch 3000 Mann preussischer Landwehr unter dem Grafen Dohna angeschlossen hatten, näherten sich die Russen ebenfalls und schlossen die Stadt ein. Sie bildeten den Bogen von Oliva, Pietzkendorf, Wonneberg, Schönfeld, Dreischweinsköpfe, St. Albrecht und dann bis Neufähr auf der Frischen Nehrung. Von dieser Stellung aus unternahmen die Russen verschiedene Angriffe auf Striess, Langefuhr etc. und nahmen Striess, Langefuhr, Schellmühl, Zigankenberg, Emaus etc. Das Kloster Oliva wurde wieder in ein Lazareth umgewandelt. Am 1. Juni 1813 begann die Russische Belagerung Danzigs. Am 29. November musste General Rapp in Danzig capituliren. Diese Capitulation wurde in Langefuhr unterhandelt und unterzeichnet. Am 3. August 1815 erfolgte die feierliche Huldigung. Danzig hörte auf ein Freistaat zu sein und kehrte unter Preussens Scepter zurück.
Der Abt, unter welchem das Kloster Oliva im Jahre 1772 den 1. November durch König Friedrich II. aufgehoben wurde, hiess Joseph Hyacinth Rybinski. Als dieser der letzte Abt aus dem Orden der Cistercienser - 1782 gestorben war, ernannte Friedrich II. den Prinzen Johann Carl von Hohenzollern-Hechingen nur nominell zum Abt von Oliva; er war seit 1777 Coadjutor des Bisthums Culm, 1785 wirklicher Bischof von Culm und seit 1796 Bischof von Ermland. Als Fürstbischof von Ermland trat er das Bisthum Culm ab. Ihm folgte in der Regierung als Fürstbischof von Ermland und Abt von Oliva seit 1803 sein Neffe, der Fürst Joseph von Hohenzollern, der bis zu seinem Tode 1836, den 26. September, die Residenz im Schlosse zu Oliva behielt. Er war der letzte Abt von Oliva.
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11. Gänzliche Aufhebung des Klosters Oliva. 1831.
Unter dem Fürstbischof Joseph von Hohenzollern wurde am 1. October 1831 das Kloster Oliva gänzlich aufgehoben. Der König Friedrich Wilhelm II. hatte mit der Aufhebung desselben so lange gezögert. Die Klosterkirche wurde in eine Pfarrkirche zur hl. Dreifaltigkeit umgewandelt, die bisherige Pfarrkirche, St. Jacobuskirche aber zu einer evangelischen Kirche bestimmt. Bei der Aufhebung des Klosters befanden sich ausser dem Prior Johann Bluhm noch sieben bejahrte Mönche und ein Laienbruder in demselben. Der Prior Bluhm, der letzte des Klosters, wurde jetzt Pfarrer der zur Pfarrkirche umgewandelten Klosterkirche. Die Mönche mussten die Klostertracht ablegen und wurden versorgt; sie starben aber alle bald nach der Aufhebung ihres Klosters, welches seit 1178 bestanden hatte. Der Fürstbischof von Ermland und letzte Abt von Oliva starb am 26. September 1836 im Schlosse zu Oliva.
Die reiche Kloster-Bibliothek hatte bei der Uebergabe 1831 noch über 6000 gedruckte Bücher, darunter viele sehr seltene Werke in kostbaren Einbänden, über 500 Handschriften und fast 300 Urkunden. Sie wurden an die Königliche Bibliothek in Berlin, an die Universität in Königsberg und an das Priester-Seminar in Pelplin vertheilt. Der Rest wurde verauctionirt. Das Kloster hatte seine eigene Buchdruckerei. Die erste Buchdruckerei in Westpreussen war die im Jahre 1492 in Marienburg angelegte. Der in Oliva vorhandenen Druckerei ertheilte König Johann Sobieski ein besonderes Privilegium. Sie ging 1744 ein.
Von den früheren 20 Gebäuden des Klosters ist das alte Conventsgebäude mit dem Dormitorium" und den Mönchs-Zellen jetzt Wohnung der Pfarrgeistlichkeit, das Schäfferathsgebäude" mit Apotheke*), Buchdruckerei, Kasse, Gerichtslokal etc. jetzt die katholische Schule und Wohnung der Lehrer und Kirchenbeamten, das eigentliche Wohngebände der Mönche" - jetzt Wohnung des Gartenbauinspectors, das Thorhaus, noch aus der Ordenszeit stammend, mit der frühern St. Bernhards-Kapelle in der Befestigungsmauer des Klosters - jetzt Dorfgefängniss. Die übrigen zum Kloster gehörigen Gebäude z. B. das Priorat, Noviziat, Brauhaus mit den Wohnungen für Klostergäste sind abgebrochen, die Klostermühle am Mühlenbach brannte ab. Die St. Jacobs-Kirche, die eigentliche frühere Pfarrkirche des Orts, in welcher ein Klostergeistlicher den Gottesdienst hielt, wurde 1834 nebst der Pfarrwohnung der evangelischen Gemeinde in Oliva übergeben. Das ,abteiliche" oder ,fürstbischöfliche Schloss" ist jetzt Königliches Schloss", die "alte Abtei" neben dem Schloss die Wohnung des Garteninspectors, der abteiliche oder fürstbischöfliche Garten" jetzt Königlicher Garten. Das ganze Kloster war früher mit einer hohen Mauer umgeben. Von dieser sind nur noch auf der Südseite an der Strasse bis zum Thorhause, auf der Ostseite zwischen dem Kloster und der Kirche und der Abtei und auch auf der Nordseite Reste vorhanden.
Die Verdienste der Klöster im Allgemeinen für Verbreitung des Christenthums, der Sittlichkeit und Bildung des Volkes, für Kunst und Wissenschaft und für Cultur des Landes sprechen für sich selbst, wenn man auch nur eine Klosterkirche, ein altes Klostergebäude, wie namentlich die altehrwürdige Klosterkirche und die Klosterruine der Cistereienser-Mönche in Oliva mit Verständniss und Würdigung der sehenswerthen Kunstdenkmäler besucht und der geschichtlichen Vergangenheit eines solchen Prachtbaues einen kurzen sinnigen Rückblick widmet. Die Lage, ihr Bau, ihre Altäre, ihre Schätze an kunstvollen Schnitzereien und werthvollen Gemälden mit den verschiedenen Darstellungen, ihre ganze Ausstattung bieten Jedem, so oft er sie besucht und betrachtet, eine reiche Quelle wahren Genusses und eine Fülle vielseitiger Anregungen.
Was will denn jener stummen Zeugen lautes Rufen?
„Es sei Euch heilig, was einst Eure Väter schufen!”
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III. Beschreibung der Cistercienser- Klosterkirche und des alten Klosters in Oliva sowie der Sehenswürdigkeiten derselben.
A. Die Cistercienser-Klosterkirehe in Oliva und ihre Sehenswürdigkeiten.
a. Bau der Kirche.
Wir besuchen die höchst sehenswerthe, als Baudenkmal sehr merkwürdige, an Kunstschätzen reiche Klosterkirche. Zuerst be- trachten wir
1. das Äussere der Kirche.
Das alte Kirchen- und Klostergebäude wurde schon um das Jahr 1577 allgemein bewundert und die „speciosa Oliva" mit Stolz genannt. Im Wesentlichen soll das jetzige Kirchengebäude in seinen Architecturen eins und dasselbe sein, welches um das Jahr 1577 die Bewunderung der Zeit genoss und um 1350 auf den Ueberresten des 1239 neubegründeten Gebäudes errichtet wurde. Die jetzige Kirche wurde nach der Zerstörung des frühern Kirchen- und Klostergebäudes durch die Danziger Soldaten bei der Belagerung Danzigs durch den Polenkönig Stephan Bathory 1577 auf Kosten der Stadt von dem Abt Jeschkau wieder aufgebaut. Der Abt David Konarski, der in den Jahren 1589-1666 regierte, liess sich die Verschönerung und gänzliche Wiederherstellung der jetzigen Kirche sehr angelegen sein. Sie ist in Form eines lateinischen Kreuzes gebaut. Die Länge des Kreuzesstammes beträgt ohne die Mauern 318 Fuss, die Länge des verhältnissmässig nur kurzen Querbalkens 881/2 Fuss. Die Kirche ist etwas länger als die grosse St. Marien-Pfarrkirche in Danzig. Das Kirchendach ist mit schwarz glasirten Dachpfannen aus Holland gedeckt, früher war es von Kupfer. Auf dem Dache des Querbalkens befinden sich drei zierliche kleine Thürme. Der grössere, in der Mitte zwischen den beiden stehend, trägt die Kirchenglocken, die durch ihr reines lautes Geläute schon so oft zum Gottesdienste gerufen haben. Von dem mit einem grossen Crucifix, schattigen Bäumen und grünen Rasen geschmückten geräumigen Platze vor der Kirche aus gesehen, präsentirt sich die Kirche als ein sehr würdiges Gebäude. Die gefällige Fronte, mit den goldumstrahlten Monogrammen der Namen Jesus und Maria, und einem hohen Fenster, ist von zwei schlanken, hohen und zierlichen Thürmen eingefasst. Sie giebt dem ganzen Gotteshause eine gewisse Weihe.
2. Das schöne Haupt-Portal der Kirche
zwischen diesen beiden Thürmen wird von vier Säulen aus Sandstein getragen, und zeigt in einer angemessenen Höhe auf einer Tafel eine lateinische Inschrift, welche deutsch lautet: „Zum grössern Ruhme Gottes ist die von Subislav, dem Herzoge von Pommern, im Jahre 1170 sowohl der hl. Dreifaltigkeit, sowie der hl. Jungfrau der Gottesgebärerin und dem lieblich redenden Lehrer Bernhard geweihte Kirche des Klosters der hl. Jungfrau Maria von Oliva, des hl. Ordens der Cistercienser von dem hochwürdigen Herrn David Konarski, Abt von Oliva, wieder hergestellt und von dem hochwürdigen Herrn Michael Antonius Hacki, Abt von Oliva, im Jahre 1688 diese Thüre verziert und im Jahre 1770 durch den ehrwürdigen Convent in Oliva von aussen neu geschmückt worden.”
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b. Besichtigung der Kirche.
3. Das Innere der Kirche
macht bei dem Eintritte in dieselbe einen erhebenden Eindruck, Wir verweilen eine kurze Zeit unter der grossen Orgel beim Haupteingange, um zuerst einen Totaleindruck der ganzen Kirche zu empfangen. Unser Blick fällt zunächst durch das lange schön gewölbte Mittelschiff auf den im Hintergrunde der Kirche im Osten sich malerisch erhebenden Hochaltar, über dem ein kleines rundes Fenster mit der Glasmalerei der hl. Dreifaltigkeit besonders auffällt, weil durch dieses als symbolische Hinweisung auf den Auferstehungsmorgen das Alles belebende Sonnenlicht auf den Altar und den celebrirenden Geistlichen wie auf die ganze betende Gemeinde herein bricht. Nach Beendigung des Gottesdienstes besichtigen wir die Kirche näher. Sie hat drei Schiffe, ein hohes langes aber schmales Mittelschiff und zwei niedrige Seitenschiffe. Das etwas erhöhte Presbyterium, Priesteroder Mönchschor, in welchem der Hochaltar steht und die eigentlichen gottesdienstlichen Handlungen vollzogen werden, hat einen Poligon-Chorabschluss; ein bogenförmiger Rundgang als Verlängerung der beiden Seitenschiffe führt rings um dasselbe und schliesst es von denselben ab. Wir werfen unsern Blick nach oben. Das gothische schöne Decken-Netzgewölbe des Hauptschiffes als Stamm des Kreuzes, mit vielen Rippen und Feldern, ist mit vielen Sternen geschmückt. An den Consolen der Spitzbogen sieht man farbige Familien- Wappen der Begründer, Wohlthäter und Aebte der Kirche. Das Gewölbe wird von 22 starken Pfeilern getragen, von denen sich die vier Hauptpfeiler, welche den Mittelpunkt des Kreuzdurchschnittes bilden und das Gewölbe an dieser Stelle tragen, sich durch besondere Stärke auszeichnen. Die Pfeiler mit ihrer Gliederung nach drei Seiten, während auf der vierten Seite nach dem Hauptschiffe eine flache Wandfläche die Arkaden begrenzt, haben bei näherer Betrachtung besonderes Interesse. Die Deckgewölbe der Seitenschiffe unterscheiden sich von einander und von dem des Mittelschiffes und sind älter. Die Seitenschiffe stehen durch Arkaden, Bogengänge, sechs auf jeder Seite, mit dem Hauptschiffe in Verbindung. Wir schreiten durch das Mittelschiff, dessen Wände mit verschiedenen alten Gemälden in geschnitzten Rahmen geschmückt sind, hetrachten die verschiedenen Darstellungen derselben, welche Begebenheiten aus dem Leben Jesu, der h. Jungfrau Maria und der Heiligen etc. zur Anschauung bringen und nähern uns dem Querschiffe der Kirche und dem
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4. Hochaltar im Presbyterium.
Ihre schöne Beleuchtung erhält die Kirche theils durch kleine Fenster, welche sehr hoch an den Seiten des Presbyteriums und m ganzen Mittelschiffe angebracht sind, theils sich unten im linken Seitenschiffe befinden. Der Hochaltar wird von 14 Säulen aus schwarzem Marmorjetzt gran angestrichen getragen und zeigt im schönen Altarbilde die Schutzpatronin der Kirche, die hl Jungfrau Maria, ihr gegenüber den h. Bernhardus in den Wolken vom Himmelsglanze beschienen, zu ihren Füssen das Kloster Oliva mit betenden Cistercienser-Mönchen, die sich und ihr Kloster dem Schutze des Himmels und der Fürbitte ihrer Schutzpatronin empfehlen. Dies Bild ist vom berühmten Danziger Maler Stech gemalt, dessen Name auch auf dem Bilde steht. Stech starb 1697. Ueber den Marmorsäulen des Altars befindet sich in den Wolken der geöffnete Himmel" mit der hl. Dreifaltigkeit, umgeben von vielen Engelsköpfen und mehreren biblischen Personen des alten und neuen Testaments, Moses, David, Johannes der Täufer u. a. Der Wolkenhimmel ist aus weissem Stuck gearbeitet. Das runde farbige Fenster mit der Glasmalerei „die hl. Dreifaltigkeit" in der Mitte des geöffneten Himmels giebt dem Ganzen eine sehr günstige Beleuchtung. Bis zur Aufhebung des Klosters befand sich statt dieser „Dreifaltigkeit als Glasfenster das strahlende AugeGottes". Ein am Altare befindliches Wappen zeigt, dass derselbe vom Abte Michael Anton Hacki, der von 1683-1703 regierte, erbaut worden ist (1688). Zur Verschönerung des freistehenden Altartisches tragen ein würdiger gut gearbeiteter Tabernakel und ein grosses Crucifix, beide aus Silber, wesentlich bei. Früher befanden sich an den beiden Seitenwänden vom Altare bis zu den Portraits der Stifter und Wohlthäter der Kirche zwei grosse Frescogemälde, das „Paradies" und den Triumph der Kirche" darstellend. Sie wurden 1833 mit Kalk übertüncht. Zu beiden Seiten des Altars stehen zwei grosse Pulte mit Messingtafeln.
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5. Die alten Chorstühle der Mönche und Laienbrüder.
Zu beiden Seiten des Hochaltars befinden sich die alten Chorstühle der Mönche und Laienbrüder des Klosters. Sie sind ein wahres Prachtstück alterthümlicher Kunstschnitzerei und bilden eine grosse Zierde des Presbyteriums. Ausser verschiedenen Ornamenten in einzelnen Feldern sieht man die geschnitzten Apostel und einige andere Figuren auf denselben. Die angegebene Jahreszahl 1604 deutet das Jahr der Herstellung dieses Kirchenschmuckes unter dem Abt David Konarski (1589-1616) an. In den unteren Bänken dieser Chorstühle sassen die Novizen und Laienbrüder, in den oberen die Mönche. Die werthvollsten Kunstwerke der Kirche rühren aus dem Zeitraume von 1590-1667. Bei der künstlerischen Ausschmückung derselben in dieser Zeit betheiligten sich die bedeutendsten Künstler. Bei der Bestimmung der Klosterkirche zu einer Pfarrkirche (1831) hatte man diese Kunstwerke aus der Kirche entfernt, weil sie aber einen hohen Alterthums- und Kunstwerth haben, sind sie zur Freude alter Kunstfreunde mit bedeutenden Kosten renovirt und wieder an passender Stelle aufgestellt und zur Geltung gebracht worden (1889). An dieser Stelle ist das Presbyterium durch die Communionbank in zwei Theile getheilt. In der Klosterzeit stand hier ein zierliches Holzgitter, welches das Presbyterium von dem übrigen Kirchenraum abschloss. In dem ersten Theile befinden sich der Hochaltar und die Chorstühle, im zweiten besonders.
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6. Die Portraits der Stifter und Wohlthäter der Kirche und des Klosters.
An den Wänden, welche das Presbyterium von den zwei Seitenschiffen ganz absondern, sieht man, dem Mittelschiffe zu, zwei grosse Gemälde, welche 12 lebensgrosse Bildnisse zur Anschauung bringen. Es sind die Portraits der Stifter und Wohlthäter des Klosters. Zu unserer Linken hängen die der Stifter fundatorum, zur Rechten die der Wohlthäter benefactorum*). Die einzelnen Portraits sind durch Säulen von einander abgesondert, welche zugleich eine würdige Einfassung derselben bilden. Wir betrachten zuerst die Bildnisse zu unserer Linken, nämlich die der Stifter der Kirche und des Klosters. Es befremdet, dass über den fünf neben einander stehenden Personen sich noch eine Person als erstes Bild befindet und zwar der Polenkönig Stephan Bathory. ieser gehört zwar nicht zu den Stiftern des Klosters, weil er aber veranlasste, dass die Stadt Danzig das im Jahre 1577 von Danziger Soldaten bei der Belagerung der Stadt gänzlich zerstörte Kloster nebst der Kirche, wie beide der Haupttheile nach noch heute bestehen, wieder aufbauen lassen und zu diesem Zwecke 20000 Thaler zahlen musste, so wurde ihm als Anerkennung dieser Platz unter den Stiftern eingeräumt. Die lateinische Inschrift auf der Tafel zu seinem Portrait sagt, dass er das Kloster und die Kirche restituirt", wieder hergestellt habe. Die andere Inschrift auf der Tafel links sagt, dass Subislav I., der Fundator von Oliva war 1170, und zwei Söhne, Sambor (I.) und Mestwin (I.) hinterliess. Die fünf Bilder unter Stephan Bathory stellen die fünf Herzöge von Pommerellen zu Gdanczk dar, nämlich (dem Altare zunächst) Subislav I. (1148-1178), Sambor I. (1178-1207), Mestwin I. (1207-1220), Swantopolk II. (1220-1266) und Mestwin II. (1266-1295). Subislavs Bild zeigt, wie er das Kloster Oliva der hl. Jungfrau Maria als Schutzpatronin widmet. Nach Sambor I. folgte zwar sein minderjähriger Sohn Subislav II., aber sein Oheim Mestwin I. regierte mit ihm zusammen bis zu seinem Tode (1216), worauf Mestwin Alleinherrscher wurde und bis 1220 allein regierte.- Die Inschrift der Tafel rechts von Stephan Bathory sagt, dass Mestwin vier Söhne gehabt habe, nämlich Swantopolk (II.), Sambor (II.), Ratebor und Wratislav (I.) Als Mestwin I. auf dem Sterbebette lag, theilte er sein Land unter seine vier Söhne. Swantopolk II. erhielt nach dem Tode seines Vaters die Danziger Mark und verwaltete zugleich als der Aelteste de oldeste das Erbtheil seiner Brüder, die beziehungsweise in Liebschau, in Belgard an der Leba und in Schwetz residirten. Unter diesen fünf Bildern ist ein Gemälde, welches die Taufe Subislavs und den Bau der Kirche durch die fleissig arbeitenden Cistercienser- Mönche darstellt. Neben diesem Gemälde sind zwei Tafeln, von welchen die Inschrift der Tafel links das Leben Swantopolks, die der Tafel rechts das Andenken der Fundatoren dieses Klosters ins Gedächtniss ruft. Der unter jedem Portrait der Herzöge abgebildete „Vogelgreif" war das Wappen der Pommerellischen Fürsten. An der Wand auf der linken Seite des Altars, uns zur Rechten, sieht man, gerade den oben beschriebenen Bildern der Fundatoren gegenüber, die fünf Portraits der Wohlthäter des Klosters und der Kirche neben einander mit betreffenden Ueberschriften, nämlich: König Przimislav, König Wenzel, König Vladislav Lokietek, Markgraf Waldemar von Brandenburg, Hochmeister Winrich von Kniprode und König Casimir III. Ihre Wappenschilder sind zu ihren Füssen angegeben. Auch über diesen fünf lebensgrossen Bildern der Wohlthäter des Klosters hängt ein einzelnes Bild, und zwar das des Polenkönigs Sigismund III. (1587-1632). Von Przimislav, König von Polen, sei nur erwähnt, dass er als Grosssohn der Schwester Sambor II. von Mestwin II. zu seinem Nachfolger ernannt wurde und bei seinem Regierungsantritt 1295 sämmtliche Privilegien des Klosters Oliva bestätigte, aber nur kurze Zeit regierte. Die Inschrift auf der Tafel links neben seinem Bilde deutet darauf hin, wie der Palatin von Danzig, Swenza, aus Rache gegen Vladislav Lokietek den Markgrafen Waldemar von Brandenburg mit seinen Soldaten nach Pommerellen und in die Stadt Danzig geführt, später die Kreuzritter das Land gekauft, Pommerellen aber durch den 13 jährigen Krieg an Casimir IV. von Polen gekommen. König Wenzel von Böhmen und Polen, des vorigen Schwiegersohn, nahm das Kloster Oliva ebenfalls in Schutz. Unter König Vladislav Lokietek nahmen die Ordensritter die Stadt Danzig im Jahre 1308 während der Dominikszeit in Besitz, wobei der Abt Rüdiger von Oliva, wie oben erwähnt, durch muthige Ausspendung der Sterbesacramente an die Verwundeten sich auszeichnete. Markgraf Waldemar zeigte sich bei der Abtretung des Danziger, Dirschauer und Schwetzer Gebiets an die Ordensritter (1309) auch freigebig gegen das Kloster Oliva In der Absicht, an des Ordens guten Werken Theil zu haben." Hochmeister Winrich von Kniprode vertritt alle Hochmeister als Wohlthäter des Klosters. Sie waren uns allezeit wohlwollende und gütige Herren." König Casimir III. gab dem Kloster verschiedene Rechte und Güter zurück. Unter diesen fünf Bildern sieht man auf einem Gemälde das brennende Kloster Oliva und die Ermordung der Mönche und des Abts Ethler durch die heidnischen Preussen in der Nähe von Danzig im Jahre 1224 den 27. September. Auf einer Gedenktafel, links, sind die Jahre der Verwüstungen Vastationum des Klosters angegeben, auf der Tafel rechts das Lob des Königs Casimir III. ausgesprochen. Während der Regierung des Polenkönigs Sigismund III. (1587-1632) liess der damalige verdienstvolle Abt David Konarski im Jahre 1612 diese beschriebenen Portraits der Stifter und Wohlthäter des Klosters durch einen tüchtigen Künstler herstellen, indem er die alten gemalten Fresken-Portraits an der Wand mit diesen grossen Gemälden bekleiden liess. Zeichnung, Gesichter und Colorit sind ausgezeichnet. Diese Bilder der Stifter und Wohlthäter des Klosters sind wohl geeignet, die segensreiche aber auch wechselvolle Vergangenheit unserer Provinz ins Gedächtniss zu rufen.
Unter den Portraits der Stifter des Klosters stand bis vor Kurzem (1889) ein 1615 aufgestellter niedriger Sarkophag von schwarzem Marmor mit Inschrift. In alter Zeit soll hier an dieser Stelle ein Denkmal von Bronce gewesen sein, welches die Hussiten aus dem Boden gerissen und fortgeführt haben sollen. Dieser Mormor-Sarkophag bezeichnete die Gruft, in welcher die Gebeine der abgebildeten Herzöge von Pommerellen ruhen. Früher lagen sie an verschiedenen Stellen in den Kreuzgängen des Klosters begraben. Bei der Wiederherstellung des 1577 von den Danziger Soldaten gänzlich zerstörten Klosters wurden diese Gebeine gesammelt und ihnen hier in der Kirche ein gemeinschaftliches Grabgewölbe unter dem Sarkophag bereitet, der, wie erwähnt, im Jahre 1615 aufgestellt worden ist. Bis zur Aufhebung des Klosters (1831) brannten bei jedem Hochamte an diesem Grabgewölbe vier Wachskerzen. Der Sarkophag befindet sich seit der Renovation des Presbyteriums 1889 im Rundgange des südlichen Seitenschiffes.
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7. Die Kanzel
an einem Pfeiler beim Presbyterium ist eine grosse Zierde der Kirche. Sie ist von Lindenholz gearbeitet und mit vielen reich vergoldeten Schnitzereien verziert, welche in vielen Feldern besonders die Wunderthaten des hl. Bernhard darstellen. Auf dem Schalldeckel befinden sich die geschnitzten und vergoldeten Attribute der vier Evangelisten und hoch oben der auferstandene Erlöser mit der Siegesfahne. Die Kanzel ist 1605 erbaut. Der Kanzel gegenüber steht im Presbyterium noch der abgesonderte niedrige Sitz des Kloster-Abts.
8. Die grosse Orgel.
Vom Presbyterium aus werfen wir einen Blick auf die grosse Orgel und das schöne Orgelchor über dem Haupteingange zur Kirche und auf die zwei Arme des Querbalkens, Querschiffes der Kirche. Die grosse Orgel ist als ein grossartiges Werk und eine der schönsten und grössten Orgeln der ganzen Welt berühmt. Ihr Erbauer war der Mönch Johann Wulff, der vom Jahre 1763 ab 20 Jahre daran gearbeitet hat. 1865 wurde sie auf Staatskosten umgearbeitet. Sie hat 101 Register-Züge, 84 klingende Stimmen und über 5100 Pfeifen, 19 Windladen, 13 Schöpfbälge. Ein schönes farbiges Fenster mit einer Glasmalerei „die Mutter Gottes", in der Mitte der auf dem Orgelchore vertheilten Orgelpfeifen- Gruppen mit reichen Verzierungen, verbreitet auf demselben ein wirkungsvolles Licht. Auch die zweite kleinere Orgel auf dem Orgelchore im südlichen Krenzesbalken im Querschiffe der Kirche, in der Nähe der Sakristei, ist ein recht gutes Werk. Auch sie soll von demselben Klostermönche hergestellt worden sein. Alle Mönche und Laienbrüder waren tüchtige Musiker und Sänger. Das Kloster besass ausgezeichnete Instrumente, welche bei den Aufführungen von Figuralmessen an den Festtagen von den Mönchen benutzt wurden. Mehrere von den Mönchen in Oliva haben sich als ausgezeichnete Orgelspieler, Musiker und Sänger seiner Zeit einen berühmten Namen gemacht. Der aus Klostermönchen gebildete Sänger- und Instrumentalchor hatte grösstentheils nur Virtuosen. Dem kleinen Orgelchore gegenüber ist als Seitenstück im nördlichen Kreuzesarme der Kirche das „Sängerchor" für die Mönche zu sehen.
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9. Die Seitenaltäre.
Ausser dem prächtigen Hochaltare hat die Kirche jetzt noch 22 kleinere Seitenaltäre. Um das Jahr 1655 waren 26 Altäre In er Kirche, nur vier aus Holz, alle übrigen aus Marmor. Diese sind fast alle aus werthvollem Marmor hergestellt und mit zum Theil recht guten kunstvollen Altargemälden und Statuen, sonstigem Altarschmuck und schönen Antipendien geziert. Auf einem Rundgange durch die zwei Seitenschiffe und um das Presbyterium bemerken wir zunächst in der Nähe der Sakristei und der kleinen Orgel den St. Josephs-Altar, Marmor, 1636 erbaut, mit gutem Altarbilde Jesus überreicht dem hl. Petrus die Schlüssel des Himmelreichs" und trefflichen Statuen aus Alabaster. Unter dem Altare hängt ein erwähnenswerthes Schnitzwerk, die „hl. Dreifaltigkeit”. Dann folgen im Rundbogen hinter dem Presbyterium: der Himmelfahrts-Altar, Marmor, 1644 erbaut, der Auferstehungs-Altar, Marmor, 1645 erbaut, der schöne St. Adalbertus-Altar, Marmor, 1674 erbaut, mit kunstvollen Statuen von Alabaster. Die hl. Kreuz-Kapelle oder die Kapelle des Abtes Rybinski, gerade in der Nähe des Hochaltars ausserhalb der Kirchenwand, ist die schönste unter den drei Kapellen der Kirche. Die Wände in dieser eine Rotunde bildende Kapelle, zu der einige Stufen hinaufführen, sind mit Gyps-Marmor bekleidet und sehr schön verziert. Sie wurde zur Privat-Andacht der Aebte bestimmt. Zu diesem Zwecke führte eine besonders durch schwarze Marmorsäulen eingefasste Thüre in der Kirchenmauer, wie jetzt noch zu sehen, aus der nahen dicht an der Kirche stehenden Abtei hierher. Sie wurde vom Fürstbischof Carl von Hohenzollern besonders verschönt. Dann folgt: der Altar der Kreuztragung, Marmor, 1646 erbaut, der Altar Christus mit der Dornenkrone, Sandstein, vom Abt M. A. Hacki erbaut, der Altar Christi Geisselung, Marmor, vom Abt Trebnic erbaut, der von 1617-30 in Oliva residirte, der Altar Christus vor Pilatus, Sandstein, vom Abt Hacki erbaut, der Altar Christus von Judas durch einen Kuss verrathen, Marmor vom Abt Trebnic erbaut, der Christi Himmelfahrts-Altar, Sandstein, vom Abt Hacki erbaut, der hl. Drei-Könige- Altar, Marmor, 1647 erbaut, der Altar der Geburt Jesu, Marmor, mit recht gutem Altarbild, vom Abt Hacki erbaut, der Mariä- Heimsuchung-Altar, Marmor, mit recht gutem schönen Altarbilde, vom Abt Kensowski erbaut. Im nördlichen Kreuzes- Querbalken stehen: der würdige St. Trinitatis-Altar, der frühere Hochaltar (bis 1688), von Holz mit kunstvollen, reichen und beachtenswerthen Bildschnitzereien, unter Abt David Konarski in den Jahren 1604-1606 vom Künstler W. Spörer erbaut. In dem untern Haupttheile sieht man die hl. Dreifaltigkeit, links davon die Geburt und Auferstehung, rechts die Himmelfahrt und Sendung des hl. Geistes; im obern Theile in einer Nische die hl. Jungfrau Maria, und auf den geöffneten Flügeln die Verkündigung. Ueber der Nische sieht man den gekreuzigten Heiland von vier Engeln umgeben, unter dem Kreuze Maria und Johannes. Zur Seite des untern Theils stehen Moses und Johannes der Täufer. Auch bemerkt man unten das Wappen der Familie Konarski (D. K.) und der Familie Koss (F. R. K.). Daneben der Altar Mariä Verkündigung, Marmor. Erwähnt mag sein, dass die Adern des Marmors einer der Altar-Säulen (Epistelseite, uns zur Rechten), welche die Kuppel des schönen Altars tragen, auffallend als interessantes Naturspiel ganz deutlich zwei ziemlich grosse Gesichter zeigen, und zwar zwei historische Portraits mit überraschender Portraitähnlichkeit, nämlich das der „tugendhaften Maria Theresia", Kaiserin von Oesterreich, und das des philosophischen Friedrich II.", ihres Feindes in den drei schlesischen Kriegen, dicht neben einander, die hier versöhnt auf den Altar hernieder schauen. Der hier stehende prächtige Chorstuhl unter dem kleinen Mönchs- Sängerchore verdient die Aufmerksamkeit der Kunst- und Alterthumsfreunde. Darauf folgen im nördlichen Seitenschiffe: der St. Bernhard-Altar mit sehr gutem Altarbilde und zwei kleinen auf Kupfer vorzüglich gemalten Bildern, das jüdische Passah und das christliche Abendmahl; vom Abt Kensowski erbaut. Das Altarbild stellt den hl. Bernhard dar, wie er mit der Monstranz in der Hand, gefolgt von den Cistercienser-Mönchen in Clairvaux, wo er Abt war, den Kriegsleuten entgegengeht und sie zum Kreuzzug gegen die Saracenen zu bewegen sucht. Der St. Antonius- Altar, Marmor, St. Michael-Altar, Marmor, vom Abt Michael Anton Hacki erbaut, mit gutem Altarbilde. Der St. Stephanus- Atlar, 1649 erbaut, mit gutem Altarbilde, auf Kupfer gemalt. Die schöne St. Johannes vo von Nepomuk-Kapelle, vom Ritter Felix Konarski 1650 erbaut, zugleich Tauf-Kapelle; die Altarsäulen und Statuen sind von Gyps-Marmor, der Aller- Heiligen-Altar oder Krönung Mariä-Altar, Maria von Gott Vater gekrönt, 1653 erbaut, mit sehr schönem uud werthvollem Altarbilde. Wir gehen jetzt durch das Mittelschiff nach der grossen St. Marien-Kapelle, der St. Johannis-Kapelle gegenüber, rechts vom Haupteingange. Das Altarbild, Maria mit dem Jesuskinde und Johannes, Kopie nach Raphael, ist vor einiger Zeit vom Maler Sy in Danzig gemalt. Der Altar selbst wurde 1630 erbaut. An den Wänden befinden sich einige alte recht gute Gemälde, z. B. die Kreuzabnahme nach Rubens, eine hl. Familie nach Andr. del Sarto, Christi Leiche nach Murillo. Diese Kapelle, in der eine Kanzel steht, wird auch die „polnische Kapelle" genannt, weil sie früher zum polnischen Gottesdienste benutzt wurde. Sie wurde vom Abt David Konarski erbaut und ist von der Kirche durch zwei zierliche eiserne Gitterthüren abgesondert. Ursprünglich war sie dazu bestimmt, alten und kranken Mönchen aus den nahen Kloster-Zellen den Besuch der hl. Messe möglichst zu erleichtern, und wurde deshalb durch Durchbruch der südlichen Kirchenwand in dem Hauptgebäude, dem Conventsgebäude, des eigentlichen Klosters erbaut. Im südlichen Seitenschiffe befinden sich bis zur Sakristei an der Wand nur alte Gemälde der Apostel.
Auf diesem jetzt zurückgelegten Rundgange durch die Seitenschiffe lenkten noch einige andere Sehenswürdigkeiten unsere Aufmerksamkeit auf sich und zwar besonders
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10. Die Grabdenkmäler und Grabsteine in der Kirche.
Ausser dem erwähnten einfachen aber würdigen Marmor- Sarkophage, welcher die Gruft der Pommerellischen Herzöge von Pommerellen im Presbyterium bezeichnete, sehen wir vor der Communionbank einen einfachen Grabstein, welcher die lateinische Grabschrift zeigt, die auf deutsch lautet: „Unter diesem Stein gründete sich Oliva seine Ruhe, dem Licht, Leben und feste Ruhe Gott selbst sein möge. Diesen Wechsel wiederholt von Neuem und erflehlt traurig der Konvent zu Oliva, des heiligen Ordens der Cistercienser. Sie ruhen in Frieden." Die drei Chronostiche in dieser Schrift geben die Jahreszahlen 1686, 1691 und 1627. Dieser Grabstein führt zur gemeinschaftlichen Todtengruft der Klostermönche, die sich unter dem ganzen Presbyterium bis zum Hochaltare hinaus ausbreitet und mit Särgen gefüllt ist.
Vor dem Presbyterium im Querschiffe sieht man fünf würdige Grabsteine mit messingenen Wappenschildern. Sie bezeichnen die Grabgewölbe des Abts Casimir Dombrowski (der erste Stein zu unserer Rechten), dann das Gewölbe des Abts David Konarski und des Michael Konarski. Darauf folgt der einfache Grabstein der zwei Aebte und Fürstbischöfe Carl und Joseph von Hohenzollern. In diesem Gewölbe ist auch die Leiche der Prinzessin Maria von Hohenzollern beigesetzt († 1889), gerade vor der Kanzel. Dann folgt der Grabstein des Abts Rybinski. Beim Grabsteine des Abts David Konarski ist auch ein sehr schönes Epitaphium an der Wand angebracht, welches unter Anderm ein Gemälde trägt, das den Abt David Konarski in Mönchstracht zeigt. Auffallend ist es, dass das Wappen der Familie Konarski, welches man auf dem Grabsteine derselben und an einigen anderen Stellen der Kirche sieht, das Viertel eines Rades mit Nabe und Felge zeigt. Zur Erklärung dieses sagt man, ein Konarski solle seiner Zeit wegen Hochverraths zur Strafe des Rades
verurtheilt worden sein. Der Polenkönig habe ihm zwar das Leben geschenkt, ihn aber verurtheilt, dass er und seine Nachkommen auf ewige Zeiten ein Rad in ihrem Wappen führen sollten.
Im südlichen Rundgange um das Presbyterium sieht man noch drei Grabdenkmäler an der Wand und zwar das des ersten Abts von Oliva, Dithard. Aus der Inschrift schliesst man, dass an dieser Stelle schon in alter Zeit ein Denkmal dieses Abts sich befunden habe, welches aber nach der Zerstörung der Kirche im Jahre 1577 durch dieses neue Denkmal ersetzt worden ist. Es zeigt über der Schrift ein Oelgemälde Einzug der ersten Cisterciensermönche unter dem Abt Dithard in das Kloster Oliva.” Das Grabdenkmal des Reinhold von Heidenstein befindet sich neben diesem. Heidenstein war Staats-Secretair und Historiograph der Könige Stephan Bathory nnd Sigismund III. und wohnte auf Sullenczyn und machte sich ebenfalls um die Ausschmückung der Kirche verdient. Oben auf der Schrifttafel befindet sich auch das Portrait Heidensteins und seiner Gemahlin. Das Denkmal des George von Hülsen ist ein Obelisk.
Das grösste und unser Interesse besonders in Anspruch nehmende Grabdenkmal ist jedoch das der Familie von Koss, gleich beim Haupteingange links im nördlichen Seitenschiffe. Es ist aus Sandstein gearbeitet und zeigt eine recht gut ausgeführte betende Gruppe, den Nicolaus Koss († 1599) in Rittertracht, seine Frau Justina Konarska († 1631) und ihre zwei Söhne. Koss machte sich um die Herstellung der Kirche nach der Zerstörung 1577 verdient. Muthmasslich ist diese Gruppe eine Arbeit des berühmten Bildhauers Wilhelm v. d. Block, der eine ähnliche Gruppe, die Familie Bahr, in der St. Marien-Pfarrkirche zu Danzig gefertigt hat.
In der Nähe dieses grossen Grabdenkmals liegt im Mittelschiff der schöne, würdige Grabstein des Abts Felix Koss, Visitators der Cistercienser-Klöster aus Pelplin. Er starb in Oliva bei einem Besuche und wurde hier begraben. Wir treten noch einmal zum grossen Denkmal der Familie Koss zurück. Von diesem Denkmale aus gewährt das lange nördliche Seitenschiff mit dem schönen Sternengewölbe (dieses Seitenschiff und der Rundgang um das Presbyterium hat das schönste Gewölbe) und seiner ganzen Ausstattung, links die durch die Fenster beleuchteten Altäre in langer Reihenfolge, rechts verschiedene alte Gemälde mit abwechselnden Darstellungen an der Wand, eine fesselnde architectonisch schöne Perspective. In der Mitte dieses Seitenschiffes sowie aller drei Kirchenschiffe und im Rundgange um das Presbyterium sehen wir an vielen Stellen einfache Leichensteine. Diese decken die hier ruhenden verstorbenen Mönche des Klosters. Ein schlichter Kasten ist ihr Sarg; ein kleiner Holzklotz ihr Kopfkissen. Die Aebte liegen in mit Sammet ausgeschlagenen kostbaren Särgen in ihrem vollen Ornate. Memento mori!
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In diesem nördlichen Seitenschiffe stehen auch
11. die alten Beichtstühle.
Sie fesseln wegen ihrer Bauart, ihres Alterthums und der in verschiedenen Feldern befindlichen symbolischen Darstellungen mit betreffenden Sprüchen unsere Aufmerksamkeit.
12. Der grosse Baldachin,
Traghimmel, im nördlichen Seitenschiffe, der bei den Prozessionen an den Feiertagen gebraucht wird, gehört zu den besonders interessanten Sehenswürdigkeiten der Kirche, weil er nicht nur einen hervorragenden Kunstwerth hat, sondern auch von historischer Bedeutung ist. Die an der Himmelfläche des Baldachins befindliche ausserordentliche reiche, schwere Goldstickerei stellt in ihrer Mitte die hl. Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde, auf einem Olivenbaum, dem Wappen des Klosters, thronend, dar. Diese Gruppe wird von einem ornamentalen Medaillon umgeben, welches wie die erhabene Stickerei von gediegenem Golde gefertigt ist. Ein fortlaufendes Granatapfel-Muster, ebenfalls Goldstickerei, bildet die äusserste Einfassung. Die höchst kunstvoll gefertigte, kostbare Goldstickerei muss mit grossem Zeitaufwande gearbeitet worden sein. Ausser dem Kunstwerthe hat diese Stickerei aber auch ein besonderes historisches Interesse. Sie soll nämlich von der in der Nadelarbeit sehr kunstfertigen Königin Christine, der Tochter und Nachfolgerin Gustav Adolphs von Schweden, als Sühnopfer für die unter ihrem Vater von den Schweden geraubten Kunstschätze und sieben kostbaren Altäre für die Olivaer Kirche und zwar schon Ende des 17. Jahrhunderts gestickt und bestimmt gewesen, aber erst längere Zeit nach dem Tode derselben in den Besitz der Kirche (1716) gelangt sein. Der Abt Michael Anton Hacki von Oliva hatte sich vorher im Dienste der Königin Christine und der Könige von Polen in Staatsgeschäften ausgezeichnet († 1703). Bekanntlich entsagte die Königin Christine dem schwedischen Königsthrone, trat zur katholischen Religion über und hielt sich in Rom auf, wo sie unter Anderm auch die beste Gelegenheit hatte, kunstvolle Kloster-Stickerei kennen und bewundern zu lernen. Dieser Uebertritt machte um so grösseres Aufsehen, als ihr Vater, Gustav Adolph, für die Ausbreitung der lutherischen Confession in den 30 jährigen Krieg gezogen war und bei Lützen den Tod gefunden hatte.
Mehrere der Kostbarkeiten und alterthümlichen Sehenswürdigkeiten der Kirche aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind bei der kürzlich erfolgten Renovirung derselben ebenfalls gründlich ergänzt und zur Geltung gebracht worden.
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13. Das in einen Stein verwandelte Brod.
An die Klosterkirche in Oliva knüpft sich eine ähnliche Sage, wie die von einem in einen Stein verwandelten Brode in der St. Marien-Pfarrkirche in Danzig. Die Sage lautet: Um das Jahr 1387, zur Zeit des Hochmeisters Conrad Zöllner von Rothenstein, herrschte eine grosse Hungersnoth im Lande. Das Kloster in Oliva, sowie auch die anderen Klöster in Danzig, theilte, wie gewöhnlich, so auch jetzt Brod an die Armen und Reisenden aus. Auch ein Wanderbursche erhielt unter anderen Personen ein Brod, welches er unter seinen Mantel steckte, um damit weiter nach Danzig zu wandern. Unterwegs traf er eine arme Frau mit einem kranken Kinde auf dem Arme und einem zweiten an der Hand. Sobald sie das Brod unter dem Mantel des Wanderburschen bemerkte, bat sie ihn um ein Stück Brod für ihre Kinder. Anfangs leugnete jener, überhaupt etwas unter dem Mantel zu haben; als er aber überführt wurde, äusserte er, es sei kein Brod, sondern nur ein Stein, den er bei sich trage, um die Hunde damit abzuwehren, und wanderte weiter. Als er jedoch unterwegs selbst von dem Brode essen wollte, sah er zu seiner Ueberraschung, dass das Brod wirklich zu Stein geworden war. Die Strafe für seine Lüge und Hartherzigkeit einsehend, kehrte er zum Kloster zurück, bereuete und beichtete seine begangene Sünde. Der Stein aber wurde im Kloster zum ewigen Gedächtniss des Wunders aufbewahrt. Anders berichtet eine andere Sage über dieses zu Stein gewordene Brod. Als Oliva im schwedisch-polnischen Kriege von den Kriegern des Königs Gustav Adolph heimgesucht wurde, soll ein schwedischer Soldat ein geweihtes Brod aus dem Kloster haben wegnehmen und verzehren wollen. Das Brod sei aber sofort zu Stein geworden und die Spuren der Finger des Soldaten hätten sich für immer deutlich dem Brode eingedrückt, so dass sie noch jetzt in demselben zu sehen sind. - Der Stein in der Marien-Kirche in Danzig wird noch gezeigt, der in der Kirche zu Oliva befindliche aber ist vor nicht langer Zeit abhanden gekommen. Die Inschrift auf einer Marmortafel, und der Glaskasten, in welchem der durch eine Silbereinfassung geschützte Stein aufbewahrt wurde, aber ist noch vorhanden und lautet: „1217 Jahr ein grosses Sterben vor Hunger war, und der Scheffel Korn galt 90 Quart allhier der Stein von einem Brod ward.” Diese Tafel befindet sich im südlichen Seitenschiffe, an einem Pfeiler, gerade dem Eingange zu den Kreuzgängen gegenüber. Diesen Stein beschreibt eine Chronik 1573: „Da, wo der gemeine Kirchen Seger (die noch vorhandene Uhr in der Kirche) weiset, im Gange in den Kreuzgang gehende zur rechten Hand bei einer grossen Klaft von der Erde und der Wand hang ein weisslichtiger glatter Stein, zwei kleiner Fäuste gross, in der Mitte durchbohrt an einem eisernen Kettlein und darüber eine Tafel geschrieben, welche einem mochte guten Bescheid gegeben haben wegen dieses Steines.”
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14. die Sakristei.
Vor derselben links ist das würdige Lavabo oder Waschbecken, in welchem die Priester zuerst sinnbildlich die Hände reinigen, ehe sie die Kirchengewänder zur hl. Messe anlegen. Auch die Sakristei-Thür ist würdig aus Marmor schön hergestellt. Die vielen alten silbernen und goldenen Kirchengeräthe und Kunstschätze, kostbare Kronen zum Schmucke der Bilder der hl. Jungfrau und des Jesuskindes, Kreuze etc., sowie die prächtigsten mit echten Perlen, selbst mit Diamanten geschmückten Paramente der Kirche sind im Laufe der Zeit in den verschiedenen Kriegen fast alle verschwunden. Die Schweden unter Gustav Adolph raubten sehr viele Kirchenschätze, namentlich einen silbernen Marien-Altar ausser den sieben anderen kostbaren Altären. Die Klosterkirche besass früher unter Anderm eine mit Edelsteinen reich besetzte so schwere Monstranz, dass der Abt und die bejahrten Mönche sie nicht tragen konnten, weshalb eine leichtere angefertigt werden musste. Selbst die St. Jakobs-Kirche als katholische Dorfskirche besass auch bei der Aufhebung des Klosters unter Anderm eine Monstranz, welche 12 Pfund schwer war, und mehrere kostbare schwere Kelche. Nach der Säcularisation des Klosters 1772 und in den Jahren 1807 und 1813 in der Französischen und Russischen Belagerung Danzigs verschwanden besonders die werthvollsten und kunstvollsten Kirchenschätze.
Jetzt befinden sich in der Sakristei nur verhältnissmässig wenige aber doch immer sehenswerthe alte Messgewänder in kostbaren Gold-, Silber- und Seidenstoffen mit reichen Stickereien, und mehrere kostbare Kirchengeräthe.
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B. Das alte Cistercienser-Kloster und seine Sehenswürdigkeiten.
Aus der Klosterkirche gelangt man durch eine grosse Thüre in der Nähe der Sakristei in die dicht an die Kirche sich anschliessenden alten Klosterräume, und zwar zunächst in die ernsten Kreuzgänge.
Das eigentliche alte Kloster, ein viereckiges Gebäude, welches einen kleinen Klostergarten einschloss, enthielt im Erdgeschoss die Kreuzgänge, und um diese an drei Seiten das Sommer-Refectorium, das Winter-Refectorium oder den Friedenssaal, den Kapitel-Saal und viele andere Räume. Im obern Stockwerke waren die Wohnzellen der Klostermönche, das Dormitorium, das Bibliothekzimmer etc. Neben dem Kloster und der Kirche befand sich die Abtei. Wir sehen uns zunächst
1. die Krenzgänge
näher an. Sie laufen um den innern viereckigen frühern Klostergarten, jetzt unbenutzt, und haben durchweg schöne Spitzbogengewölbe mit zierlichen Consolen der edelsten Formen mit grosser Sorgfalt ausgeführt und verziert. Mehrere Fenster, die nach dem Klostergarten führen, geben den Kreuzgängen das nöthige Licht. Die Wände zeigen grosse alte Wandgemälde mit Darstellungen aus dem neuen (auf der Ost- und Südseite) und alten Testament (auf der West- und Nordseite). Auf dem Gange durch den Kreuzgang treffen wir das schöne Portal, welches zum
2. Kapitel-Saal
führt. Dieses Portal hat eine lateinische Inschrift, welche auf deutsch lautet: Dieser Ort hasst die Ausschweifungen, liebt den Frieden, straft das Gemurre, erhält die Rechte, ehrt die Guten. Sechs Spitzbogengewölbe, die gegen die Mitte des Saales auf zwei achteckigen Granitpfeilern und an den Wänden auf Laubwerk- Consolen ruhen, zieren diesen Raum, der jetzt jedoch nicht gerne gezeigt wird, weil er zum Aufbewahren alter Kirchengeräthe benutzt wird. Der Kapitel-Saal und die Kreuzgänge, zwei interessante Architecturen, welche noch dem Bau von 1350 angehören, waren bei der Zerstörung 1577 verschont geblieben. Auf dieser Seite des Kreuzganges befanden sich das Konvents-Zimmer, die zwei Büsserzellen oder Gefängnisszellen, das Priorat und Noviziat. Eine Treppe führt nach der obern Etage, in welchem sich die Wohnzellen und das Dormitorium (Schlafraum, aus vielen Zellen bestehend) der Mönche und die Kloster-Bibliothek befanden. Die westliche Seite der obern Etage wird jetzt von der Pfarrgeistlichkeit bewohnt. Die übrigen Seitenräume sind leer und bieten nichts Sehenswerthes. Wir wenden uns daher nach dem südlichen Kreuzgange. Auf dieser Seite liegt
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3. das grosse Sommer-Refectorium.
Zu diesem führt ein schönes Marmor-Portal. Die auf demselben befindliche Inschrift enthält unter Anderm die einzelnen Buchstaben M. A. H. A. O. S. R. M. S. P. P. und als Fortsetzung commissarium generalem. Diese Buchstaben bedeuten: Michaelum Antonium Hackium Abbatem Olivensem, Sacrae Regiae Majestatis Secretarium per Prussiam commissarium Generalem. 1689. Dieses Marmor- Portal muss, nach der Inschrift über dem jetzigen Hauptportale der Kirche zu schliessen, die frühere Kirchenthüre gewesen sein. Die Fenster an der Südseite und die drei anderen Wände haben Spitzbogen. Es ist zweischiffig. Das schöne Netzbogen-Gewölbe des hohen geräumigen Refectoriums wird von drei zierlich gearbeiteten Säulen von Granit getragen. Ueber den Portraits der Aebte an den drei Wänden des Saales sieht man grosse Gemälde mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Bernhard. Namentlich die Prophezeiung eines Klausners den Eltern gegenüber, seine Berufung zum geistlichen Klosterleben, die Hinweisung auf die Leiden- Kreuz und Dornenkorne - und Freuden Süssigkeit des Honigs im Bienenkorbe der Bienen unter einer Königin, eine Frucht des Fleisses der Bienen das Klosterleben, die Verbesserung und schriftliche Festsetzung der Ordensregeln, Bernhards Wirken den Verwundeten und Sterbenden gegenüber und sein eigener Tod an der Brust des gekreuzigten Erlösers. Auf der Wand der Fensterseite mit vier Fach Fenster sind symbolische Darstellungen der leiblichen Werke der Barmherzigkeit mit betreffenden Inschriften. Die Ausschmückung des Refectoriums fand im Jahre 1599 statt. Das Sommer-Refectcrium wurde im Sommer als Speisesaal benutzt. Vor dem Eintritte in diesen Speisesaal wuschen die Mönche vorschriftsmässig ihre Hände in einem Wasserbassin eines Springbrunnens, der kunstvoll aus Messing gearbeitet die Form eines Oelbaumes hatte, aus dessen Blättern und Früchten das Wasser herabfiel. Dieser Springbrunnen stand in der abgerundeten Halle im Klostergarten der architectonisch schönen Brunnenkapelle, dem Eingange zum Refectorium gegenüber, wie noch jetzt zu sehen ist. Der Brunnen ist zerstört und geraubt. Während des Essens wurde von einer noch vorhandenen kleinen Kanzel durch einen Mönch ein Vortrag gehalten und gleichzeitig für eine geistige Speise gesorgt. Eine kleine Thüre, die noch vorhandene kleine Oeffnung in der Wand des Refectoriums, diente dazu, die Speisen aus der Klosterküche - jetzt für die Pfarrwohnung eingerichtet in den Speisesaal zu reichen. Die Königinnen nach Danzig kamen, besuchten sie in der Regel auch dieses Kloster. Aber auch die Armen und Hospitaliten im noch vorhandenen Kloster-Hospital (beim schönen Marien-Bozamêka an der Chaussee) erhielten Speise aus der Klosterküche. Schon in einer Urkunde von 1301 wird die Gastfreundschaft Olivas und ,die hier den Armen fortwährend gewidmete Pflege" gerühmt. Erwähnt seien nur noch die alten Ziegelsteinformen des Fussbodens im Refectorium.
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4. Die Portraits der 53 Aebte des Klosters.
An drei Wänden des Refectoriums, unter den grossen Wand- gemälden, befinden sich in einer langen Reihe die nach dem Leben gezeichneten Portraits als Brustbilder sämmtlicher 53 Aebte des Klosters mit Unterschriften, vom ersten Abte Dithard bis auf den letzten Abt aus dem Cistercienserorden, Rybinski (1772), als König Friedrich II. das Kloster säcularisirte. Bemerkenswerth ist es, dass mit den zwei letzten leeren Feldern, welche die Portraits der zwei Fürsten Carl und Joseph von Hohenzollern als Aebte von Oliva füllen könnten, der Raum gerade abschliesst. Von diesen Aebten seien besonders erwähnt: Dithard, der erste Abt von Oliva. Ethler, welcher bei der Zerstörung des Klosters 1224 durch die heidnischen Preussen mit den Mönchen fortgeführt wurde und vor Danzig den Martyrertod starb. Ehe ein neuer Abt ge- wählt worden war, wurde das wieder aufgebaute Kloster bei einem Ueberfalle 1236 von den Preussen aufs Neue zerstört und die in demselben befindlichen sechs Mönche getödtet. 1243 und 1247 wurde es von den Ordensrittern während des Krieges zwischen Swantopolk und den Rittern wiederholt geplündert. Unter dem Abt Stanislaus (regierte von 1333-1356) brannte das ganze Kloster mit der Kirche und allen Nebengebäuden durch die Unvorsichtigkeit eines Küchenjungen ab (1350), wurde aber durch Unterstützungen wieder schöner als zuvor aufgebaut. Unter dem Abt Bernhard (1432-1440) plünderten die Hussiten das Kloster, zündeten es an, und ermordeten viele Mönche. Das Kloster war ein Schutthaufen. Unter dem Abt Heinrich II. (1454-1464) kamen während des 13 jährigen Krieges des Preussischen Städtebundes gegen die Ordensritter am 6. October 1460 600 Reiter und 200 Mann Fuss- volk nach Oliva, befestigten das Kloster und hausten bis zum 8. Dezember darin. Abt Lambertus Schlief (1549-1558) machte sich um das Kloster besonders verdient. Er stellte aus eigenen Mitteln die verfallenen Klostergebäude wieder her, verlieh dem Kinderhause und dem Hospital St. Jakob wie auch dem Pockenhause zu Danzigjährliche Unterstützungen an Holz aus den Klosterwaldungen. Abt Caspar Jeschkau (Geschkau, † 1584) befand sich im Gefolge des Bischofs Stanislaus Karnkowski von Cujavien, welcher im Auftrage des Königs Sigismund II. August von Polen im Jahre 1568 die katholischen Verhältnisse in Folge der kirchlichen Un- ruhen in Danzig wieder herstellen sollte. Jeschkau forderte die Rückgabe der Pfarrkirche an die Katholiken und Reform der übrigen Stadtkirchen. Bei der Belagerung Danzigs durch den Polenkönig Stephan Bathory 1577 zerstörten die Danziger aus Rache gegen den Abt Jeschkau Oliva (15. Februar 1577) und vertrieben ihn und die Mönche. Danzig musste später 20000 Thaler als Entschädigung an das Kloster zahlen und Jeschkau baute das Kloster wieder auf.**) Unter dem Abt Johann Kostka (1584-87) war die Kirche soweit wieder hergestellt, dass Sigismund III. nach seiner Wahl zum Könige von Polen in der Kirche zu Oliva die Wahlcapitulation (7. October) beschwur, als er aus Schweden auf der Danziger Rhede angekommen war. Abt David Konarski (1589-1616) machte sich um die Herstellung und Verschönerung der Kirche besonders verdient. Das Hauptportal", laut Inschrift, der schöne St. Trinitatis-Altar", die kunstvoll geschnitzten Chor- stühle, die Klosterbibliothek" etc. rühren von ihm her. Die .Gedächtnisstafeln der Stifter und Wohlthäter des Klosters mit den Portraits derselben im Presbyterium liess er wieder herstellen. Er erwarb vom Papste die Erlaubniss, dass die Aebte von Oliva wie die Bischöfe Inful und Stab führen durften. Adam Trebnic war 1617-30 Abt. Er schenkte der Kirche die Marmor-Altäre -die Geisselung Christi- und Verrath des Judas". Unter ihm wurde das Kloster von den im Jahre 1626 in Zoppot gelandeten Schweden gänzlich ausgeplündert und beraubt. Sein Leichnam blieb auffallender Weise bis auf die neuere Zeit unverwest; man schrieb ihm Wunderkräfte zu. - Abt Johann Grabinski (1630-38) verschönte die Kirche durch die zwei Altäre ,,St. Joseph" und ,,Verkündigung Mariä" mit den zwei Gesichtern in der Marmor- säule in den beiden Armen des Querschiffes der Kirche. Unter dem Abt Alexander Kensowski (1611-67) wurde im Kloster Oliva,,der Olivaer Friede" am 3. Mai 1660 zwischen Polen, Schweden, Brandenburg und Frankreich im schwedisch-polnischen Erbfolgekriege geschlossen. Er verschönte die Kirche durch die Altäre,,Heimsuchung Mariä" (Besuch der Jungfrau Mariä bei Elisabeth),,,St. Bernhard", und „,Aller-Heiligen oder Mariä Krönung". Abt Michael Anton Hacki (1683-1703) liess das ,,Marmor-Portal im Refect orium", laut Inschrift, aufstellen und schenkte der Kirche die vier Altäre Christus vor Pilatus", „Er- scheinung Christi",,,Geburt Christi" und ,,St. Michael". - Joseph Hyacinth Rybinski (1740) war der letzte Abt von Oliva aus dem Cistercienser-Orden,,,Oli va glücklich regierend" und strenge auf Ordnung und Sitte haltend. Unter ihm wurden die beiden Orgeln der Kirche erbaut. Er gestattete auch der Stadt Danzig, die beiden Leuchtthürme in Neufahrwasser und auf der Moole auf Klostergrund zu errichten. Als Friedrich II. 1772 die Klöster in Westpreussen und auch Oliva aufhob, erhielt er eine Competenz von 4000 Thalern. Nach seinem Tode 1782 wurde Prinz Carl von Hohenzollern Bischof von Culm 1777 und 1796 Bischof von Ermland, auch nomineller Abt von Oliva († 1803). Prinz Joseph von Hohenzollern war der letzte Abt von Oliva (1803-36) und zugleich Fürst bischof von Ermland. Ihre Portraits fehlen unter den übrigen. 1831 wurde das Kloster ganz aufge- boben und der damalige letzte Prior Johann Bluhm Pfarrer der Kirche. Fürstbischof Joseph von Hohenzollern starb am 26. Sep- tember 1836. Er behielt seine Residenz in Oliva bis zu seinem Tode. Die beiden Fürstbischöfe Carl und Joseph von Hohen- zollern liegen im Gewölbe bei der Kanzel in der Kirche be- graben. Das Kloster hatte 633 Jahre, von 1178 bis 1831, bestanden. Die Anzahl der Mönche war im Laufe der Zeit sehr ver- schieden. 1732 waren 43 bis 47 Mönche, gegen Ende des 18. Jahr- hunderts 48, während am Anfange des 17. Jahrhunderts 72 Mönche im Kloster lebten. Bei der Aufhebung des Klosters 1831 hefanden sich ausser dem Prior Bluhm († 1832) nur noch 7 Mönche Und 1 Laienbruder in demselben.
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5. Der Friedens-Saal.
Als Winter-Refectorium diente den Klostermönchen der „Friedenssaal” auf der Westseite der Kreuzgänge. In diesem historisch merkwürdigen Saale sieht man zunächst an der innern Wand über der Thüre einen hochrelif gearbeiteten schwedischen Reiter mit einer Papier-Rolle in der Rechten, der an den Reiter erinnern soll, der die Kunde von dem Tode Carl Gustavs den in Oliva versammelten Gesandten überbrachte. An der Wand beim Fenster bemerkt man eine Malerei, zwei Menschenarme mit in einander verschlungenen Händen, einen Oelzweig haltend. Der eine Arm hat eine blaue und gelbe Bekleidung (schwedische Nationalfarbe), der andere eine rothe (polnische Nationalfarbe). Unter diesen Armen steht eine lateinische Inschrift, welche deutsch lautet:
„Es erntete hier die reichliche Oelfrucht das schwedische und polnische Volk.
Mit herrlichen Früchten erhebe sich der Friede und Oliva bestehe ewig.”
Das Chronostichon enthält die Jahreszahl 1660.
An der Südwand des Saales fesseln eine Malerei und zwei Inschriften unsere Aufmerksamkeit. Die Darstellung zeigt rechts das schwedische, links das polnische Feldlager, in der Mitte das Kloster Oliva. Die eine Inschrift: , Oliva Anagramma Viola" enthält als Buchstabenräthsel (Anagramm) durch Versetzung der Buchstaben im Worte Oliva das Wort Viola. Darüber eine Taube mit einem Oelzweig. Der Inhalt der Schrift heisst kurz: „Die Veilchen (viola) heilen und verletzen nicht, so that es Oliva etc. 1660. Die andere Inschrift auf der darunter befindlichen schwarzen Marmortafel mit der Rose bezieht sich auf den Abt Kensowski und dessen Wappen 1679. Vor der Malerei an der schmalen Südwand und den zwei Inschriften steht noch der Tisch, auf welchem der Frieden unterzeichnet wurde. Bis zum Jahre 1807 hatte man Alles im Friedenszimmer so gelassen, wie es 1660 war. Bei der Belagerung Danzigs 1807 aber machten die Franzosen auch dieses Zimmer zu einem Lazareth und entfernten Alles aus demselben bis auf die Inschriften und den Tisch, die Möbel wurden verbrannt. Wir gehen durch den Kreuzgang zur Kirchenthür zurück, besehen die Wandgemälde mit Darstellungen aus dem alten Testamente und eine Kreuzigung Christi" in der Mitte derselben; dieses Frescogemälde ist besonders erwähnenswerth. Es wurde 1593 vom berühmten Maler Wolfgang Spürer gemalt, später aber durch einen andern Maler entstellt, indem er namentlich die Augen aller Figuren schlecht verbesserte. Endlich betrachten wir an der Kirchenthüre eine schwarze „Marmortafel, deren Inschrift besagt, dass an dieser Stelle die Auswechselung der vollzogenen Friedensverträge stattgefunden.
Zur Kirche zurückgekehrt, werfen wir nochmals an der Kirchenthüre einen Blick auf die schöne Perspective des Mittelschiffes und den Hochaltar. Im grossen Ganzen fühlt man sich bei der Betrachtung der Architectur der Kirche von dem echten Geiste christlicher Kunst angehaucht." Unter diesem Eindrucke wandern wir darauf nach der
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IV. Cistercienser-Abtei in Oliva.
Diese befindet sich noch jetzt neben dem alten Kloster und der Klosterkirche. Sie besteht aus dem Abteilichen Palais" jetzt Königliches Schloss und der alten Wohnung des Abts ,alte Abtei, welche einerseits mit dem Palais, andererseits mit einer Mauer an der Kirchenseite einen rechtwinklichen nördlichen abteilichen Vorgarten" einschliesst. Aus dem Abteilichen Palais führte ein kleiner Gang in die erwähnte Kapelle des Abts", gerade hinter dem Hochaltare der Klosterkirche.
1. Das jetzige Königliche Schloss in Oliva, mitten im Abteilichen,
jetzt Königlichen Garten, wurde in den Jahren 1754-56 unter dem Abt Rybinski erbaut. Es ist ein schönes langes und grosses Gebäude, mit vielen geräumigen Zimmern, dessen südliche schöne Hauptfronte in der obern Etage 16 Fach Fenster, in der Breite, im Erdgeschoss eine ebenso lange offene Veranda mit schönem Vorgarten hat. Daneben steht, schön umrankt,
2. die alte Abtei.
Sie wurde vor dem Aufbau des neuen Palais von den Aebten bewohnt. Im Garten befindet sich noch der Speicher des Abts, der Marstall, die Wohnung der Stallleute und die weiten Orangerie- Gebäude. Nach dem Tode des Fürstbischofs von Ermland und letzten Abts von Oliva, Joseph von Hohenzollern, kam der Karlsberg sowie das Abteiliche Palais in Oliva durch Erbschaft an die Prinzessin Maria von Hohenzollern-Hechingen, und darauf durch Kauf an die Königliche Familie. Prinzess Maria von Hohenzollern lebte seit 1869 in diesem Schlosse und starb auch in demselben (1889). Jetzt betreten wir den grossartigen Park.
3. Der Königliche Garten in Oliva
mit seinem prächtigen Blumenflor besonders auf der Süd- und Nordseite des Schlosses, seinen vielen schönen Anlagen, grossen Hecken und Teichen mit Karpfen, Goldfischen und Schwänen, seinen langen und über 40 Fuss hohen geschorenen Alleen, welche zum Theil optische Täuschungen gewähren, mit seinen zwei Flüstergrotten, kleinen Wasserfällen des durch den Garten fliessenden Mühlenbaches etc. kann dem Besuche, besonders von Seiten der Fremden, nicht genug empfohlen werden. Der Garten steht dem Publikum zum Besuche stets offen. Durch grossartige Wald- und Gartenanlagen haben sich besonders die beiden Fürstbischöfe Carl und Joseph von Hohenzollern verdient gemacht.
Auch beim Verweilen an einem traulichen Plätzchen in diesem herrlichen Garten drängt sich jedem sinnigen Naturfreunde wie beim Besuche der altehrwürdigen Klosterkirche und des alten Klosters beim Rückblicke auf die Vergangenheit unwillkürlich der Gedanke anf:
Die todten Steine jenes mächt'gen Domes und Prachtanlagen hier an dieser Statt,
Sie künden besser als der Menschen Zungen, welch hehrer Geist hier einst gewaltet hat.
Was will denn dieser stummen Zeugen lautes Rufen?
„Es sei Euch heilig, was einst Eure Väter schufen!”
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